Zum Fest der Liebe

11924215_10153571692799172_297836815438535610_nHeimathafen Liebe

Wenn man liebt, – und wir alle lieben und werden geliebt –, dann ist diese Liebe auf Reisen mit Schmerz verbunden. Egal ob romantische, familiäre oder freundschaftliche Liebe: Das Segeln bringt Trennungen mit sich – idealerweise nur räumliche.

Wir alle sitzen früher oder später auf unserem Segelboot, schauen in die dunkle Nacht und denken schweigend an die, die wir lieben. In dieser Einsamkeit auf dem weiten Meer ist sie kaum erträglich, die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach dem Menschen, der einen in den Arm nimmt und zum Lachen bringt, nach denjenigen, die einen schon jahrelang kennen, sich Sorgen machen und immer da sind, wenn es irgendwo brennt. Michael sagt im Indischen Ozean: „Sehnsucht ist ein wertvolles Gefühl. Ich vermisse meine Kinder sehr. Die Tiefe der Liebe wird einem nach dem Abschied am heftigsten vor Augen geführt.“

Der Reisende gibt der Sehnsucht nach dem Abenteuer nach und stürzt sich damit unmittelbar in die Sehnsucht nach dem Vertrauten. Wie groß ist doch der Wunsch, all jene, die man liebt, von Zeit zu Zeit auf das Schiff zu zaubern und mit ihnen diese aufregende Zeit zu teilen. Der Entscheidung, den Schmerz der Trennung auf sich zu nehmen und anderen den gleichen Schmerz aufzubürden, liegt nicht nur Abenteuerlust zugrunde, sondern auch Vertrauen in die Liebe.

Der Seemann vertraut darauf, dass seine Liebste auf ihn warten wird. Der Familienvater weiß, dass die Zuneigung der Kinder beständig ist. Die Tochter ist sich sicher, dass die Eltern immer für sie da sein werden. Der beste Freund darf ziehen, wenn er verspricht, bald wieder zu kommen. Ob Wissen oder Hoffnung: Ohne die Beständigkeit der Liebe, ohne das Urvertrauen in die Menschen, die uns wichtig sind, kann keiner von uns Segel setzen.

Für uns sind Häfen Orte des Auftankens: Lebensmittel, Diesel und auch Liebe. Freundschaften und Beziehungen werden, so gut es geht, gepflegt; per Telefon, per Skype oder auch persönlich. Freunde kommen zu Besuch, Verliebte fallen sich in die Arme, Mütter und Väter erhalten Lebens- und Liebeszeichen. Fotos, Seemannsgarn und Küsse werden ausgetauscht und der Heimathafen wird zum Ideal aller Häfen deklariert. Und wenn die Leinen wieder los sind, liegen erwachsene Männer mit Kuscheltieren in ihren Kojen und gestandene Matrosinnen streicheln über verpixelte Fotos auf ihren Smartphones, auch wenn längst kein Telefonnetz mehr verfügbar ist.

In solchen Nächten werden Entscheidungen getroffen: „Ich werde meine Frau fragen, ob sie mich ein zweites Mal heiraten will.“, „Wenn ich wieder zu Hause bin, nehme ich mir erst einmal ein paar Wochen Zeit, all meine Freunde wieder zu sehen.“, „Ich werde meiner Mutter eine Reise mit mir schenken.“, „Ich werde zu meinen Kindern ziehen und mich um meinen Enkel kümmern.“, lässt die Crew verlauten. Und so begleiten die Reisenden während der Realisierung des einen Traumes schon wieder ganz neue Träume. Die Sehnsucht nach dem Ankommen wächst mit jeder Seemeile und für manche bedeutet dieses Ankommen, mit der Liebe des Lebens ein Boot zu kaufen und gemeinsam weiterzuziehen.

Hätte man das alles nicht leichter haben können, wenn man zuhause geblieben wäre? Nein! Im Namen der Liebe!

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, Euch Landratten und Matrosen! 

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