Heute vor einem Jahr: Sportliches Südafrika

Nach unserer Ankunft in Kapstadt verlässt uns Crewmitglied Peter. Michael und ich sind plötzlich allein auf dem Schiff. Die 15 Meter Yacht einmal nicht mit einer Horde Seemänner teilen zu müssen, fühlt sich schon fast wie ein Leben in einem Palast an. Dass Frühaufsteher Michael – (Yoga um 6 Uhr morgens auf dem Vorschiff!) – mir morgens ein Croissant bereit legt, macht mein Leben als Bordprinzessin schon fast perfekt. Die ersten Tage in der traumhaften Marina sind allerdings generell wenig königlich.

Das Boot will gewienert werden, alle Schoten und Leinen werden gewässert, die Segel müssen abgenommen werden, die Polaris wird intensiv mit Frischwasser geduscht, das Dinghi bekommt seine Abreibung mit Babyöl (!), viele Dienstleister werden einbestellt: Rigger, Segelmacher, Wäscherei-Service, Raumpflege, Polierer, Taucher, Reinigungs- und Reparaturservices aller Art. Einige Zehntausend Rand (14 Rand = 1 Euro) werden investiert, um das Schiff für die Atlantiküberquerung fit zu machen.

Im Immigrationsbüro werden wir zur englischen Höflichkeit verdonnert. Als ich am Schalter um die Genehmigung unserer Ein- und Ausreise bitte, erhalte ich als Antwort: „Good morning, Miss! How are you today?“ Meine Anfrage war zwar freundlich aber für mein südafrikanisches Gegenüber zu deutsch, zu effizient, ein Faux-pas. Ich antworte äußerst charmant, stelle die Gegenfrage, die man von mir erwartet, und dann geht alles ganz schnell und wesentlich unkomplizierter, als der Formularberg vor uns befürchten lässt. Die Zollangelegenheiten sind ebenso schnell erledigt. Schließlich haben wir bereits einige Häfen in Südafrika hinter uns gelassen. Den Kollegen wird offensichtlich vertraut, unsere Papiere sind vollständig und so kommen wir mit einem Minimum an Adminstration durch.

Gleichzeitig arbeitet Michael viele Aufgaben für die Teamgeist GmbH ab und bereitet seine Meetings in Deutschland vor. Die letzten Wochen waren zum Arbeiten nicht allzu komfortabel und schon bald steht ein kurzer Heimatbesuch an.

Nach ein paar Tagen klopfen wir uns auf die Schultern und freuen uns über Alles, was wir auch dank Hafenmanagerin Zandra in so kurzer Zeit erledigen konnten. Es ist Zeit für eine Belohnung. Wir gehen auf Entdeckerreise.

So schön, dass es weh tut –- Der Cape of Good Hope Hiking Trail

Nach so vielen Wochen auf See, wissen wir, wir wollen und müssen wieder etwas für unsere Fitness tun. Wir beschließen, das Kap der Guten Hoffnung noch einmal von Land aus zu Fuß zu erobern. Mit dem Mietwagen geht es los in Richtung Nationalpark Cape of Good Hope Reserve. Zum Glück muss ich mir nicht Blöße geben, mit einem Schaltgetriebe durch den Linksverkehr zu navigieren. Michael hat leider keine Wahl und meistert die Herausforderung recht gut. Wir fahren durch Simon’s Town, wo man den Strand mit Pinguinen teilen darf und mit Robben tauchen gehen kann. Ein Vergnügen, für das ein anderer Termin gefunden werden muss.

Nach einstündiger Fahrt erreichen wir den Eingang des Nationalparks, parken den Wagen und zahlen unseren Eintritt (je 110 Rand). Wir schnappen unsere Rucksäcke gefüllt mit Wasser, Brot, Biltong – getrocknetem Rind- und Staußenfleisch -, Käse, Äpfeln, Schlafsack, Handtuch und Zahnbürste. Noch schnell die Hüttenübernachtung bezahlen (250 Rand pro Nase), Schlüssel einsacken und ab geht die Post. Dachten wir zumindest. Wir kämen zu spät, heißt es im Pförtnerhäuschen des Parks. Die Wanderung sei äußerst anstrengend und müsse vor Dunkelheit abgeschlossen sein. Man wolle schließlich die Sicherheit der Besucher garantieren und bei Bedarf auch kontrollieren können. Im Notfall sei keine Hilfe verfügbar. Das verstehe ich natürlich. Trotzdem leuchtet mir noch nicht ein, warum ich mittags um zwölf keinen fünfstündigen Marsch mehr starten soll, wenn die Sonne doch erst zwei Stunden nach Ankunft untergeht. Nachdem ich vom Buffelsfontein Visitor Center zig Mal nicht zurückgerufen worden war, meine Emailadresse gefühlte 100 Mal falsch notiert wurde, fand die Reisebuchung äußerst kurzfristig statt. Die Modalitäten des Park blieben ein Geheimnis. Immerhin kennt man meinen Namen und hat das Buchungsformular vorliegen. Mit Engelszungen rede ich auf die nächsten zwei Hierarchien ein. Wir seien junge, sportliche Menschen, die Wanderungen für gewöhnlich in 70% der vorgegebenen Zeit schafften. Das OK kommt nach zwanzig Minuten und wir legen los.

Unser Tagesziel ist die Übernachtunshütte Erika, die zu einem ehemaligen U-Boot-Beobachtungsposten aus dem Zweiten Weltkrieg gehört. Die heiße afrikanische Sonne prallt auf uns hernieder und es ist tatsächlich etwas unvernünftig, zu dieser Uhrzeit zu starten. Aber wir sind ja jung und sportlich. Es geht natürlich bergauf. Erst einmal der Straße entlang und hinter der Kurve, dann den Trampelpfad durch das Heidegras. Der Pfad taucht nicht auf. Bereits nach 15 Minuten haben wir uns zum ersten Mal verlaufen. Das Kartenmaterial ist gut, die Wege eindeutig ausgewiesen, wir offensichtlich blind. Querfeldein, die Sträucher mögen uns verzeihen, schleichen wir auf Zehenspitzen zum Weg, der sich in der Ferne dem ersten Klippengipfel entlangschlängelt. Die erste Klippe mit dem biblischen Namen Judas Peak wird erklommen. Wir schwitzen, aber Adrenalin und Vorfreude treibt uns an. Wir laufen auf roter Erde und die Vegetation um uns herum ist ausgesprochen bunt. Blüten, wohin das Auge schaut. Am Gipfel der Klippe erstreckt sich kilometerweit das Paradies, in dem wir die nächsten Stunden herumwandeln werden. Tiefblaues Meer der Buffels Bay, steile Klippen, Cape Point und das Kap der Guten Hoffnung am äußersten Zipfel bevor wir bis zum Horizont nur noch den Ozean sehen, auf dem wir ein paar Seemeilen weiter draußen gesegelt sind. Wir können gar nicht aufhören zu fotografieren. Begeistert klettern, hüpfen, steigen, marschieren wir weiter zum nächsten Peak. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass Afrika hinter jeder weiteren Ecke immer schöner wird. Und genauso kommt es auch. Michael zückt das Iphone und überrascht mich mit einem Spontaninterview – Total verschwitzt! Das kann ich leiden! -, das Minuten später auf der Facebook-Fanseite von Espoto Worldtour zu sehen ist und weitere Minuten danach schon mit den ersten Likes und Kommentaren belohnt wird. Ich lasse mich zu der Aussage hinreißen, dass dies die beste Wanderung meines Leben sei und diese Kulisse so einmalig wie nirgends auf der Welt. Es kommen noch so viele Highlights und die Erinnerung daran ist so prägnant, dass ich auch heute von diesem Kommentar nicht abweiche.

 

 

 

Die Bodenstruktur und die Vegetation verändern sich permanent. Mal laufen wir auf Kies, dann wieder auf der roten Erde und immer wieder klettern wir über große Felsblöcke. Balance, Ausdauer und Kraft sind immer wieder gefragt beim Erklimmen der Klippenlandschaft. Nach dreistündiger Wanderung entdecken wir einen Strand. Am gegenüberliegenden Berghang sehen wir schon unsere Hütten. Das ging flott! Wir gönnen uns ein ausgedehntes Schläfchen am Strand, ein Picknick mit frischem Brot aus der Royal Bavarian Bakery und Michael springt in die 13° kalten Wellen. Normalerweise würde ich mich nicht als Weichei bezeichnen, aber bei 13° und ohne Neoprenanzug verlässt mich nach wenigen Metern im Wasser die Lust auf eine Erfrischung. Wir stapfen weiter im Sand und grüßen die ersten Menschen, die wir seit Beginn der Wanderung treffen. Jetzt nur noch den Hang hinauf und dann ein Feierabendbierchen. So der Plan. Michael hatte heimlich zwei Dosen Castle eingepackt, um mich später damit zu überraschen. Ich hatte heimlich zwei Dosen Castle eingepackt, um Michael später damit zu überraschen. Wir lachen und Michael meint, das sei wirklich eine perfekte Wanderung an der Ostküste des Kaps, jetzt fehlten eigentlich nur noch ein paar Wale in der Buffels Bay. Kaum spricht er diese Worte aus, sehen wir eine Fontäne im Wasser. Wir können es nicht glauben und wir wissen, dass unsere Freunde diesen Zufall wohl wieder einmal als Seemannsgarn verbuchen werden. Schnell mache ich ein Beweisbild. Eine kleine Schule von Walen zieht durch die Bucht und minutenlang beoachten wir die Reise der großen Tiere. Wir schätzen, dass es sich um Buckelwale handelt, die man in den Wintermonaten – also im südafrikanischen Sommer – am Kap oft antreffen kann. Weiter entfernt sehen wir noch eine weitere Fontäne. Ganz schön was los hier. Eigentlich schade, dass wir soweit weg sind und immer höher steigen.

Wir erreichen das alte Militärgelände lange vor Sonnenuntergang. Nach einigen verlassen und zerfallenen Baracken sehen wir ein Feuer und nehmen an, dass es sich um Erika, unser Zuhause, handeln muss. Es gibt ein Gemeinschaftsbadezimmer, zwei Schlafsäle mit je drei Doppelstockbetten, eine voll ausgestattete Küche und eine Grillstelle. Sauberkeit und Zustand der Hütte überraschen uns. Fernab von Telefonverbindung, W-Lan, Straßenverkehr und anderen Störungen der Zivilisation stellen wir vier Stühle auf den Rasen und leben die Füße hoch. Beim Sonnenuntergang lassen wir uns nicht lumpen. Prost! Schnell wird es kalt und ich ziehe alle Kleidungsstücke an, die ich habe, inklusive Socken! Wir schnacken noch kurz mit einem Pärchen aus Kapstadt, das sich ebenfalls auf den Berg verirrt haben. Um 21 Uhr gehen wir schlafen. Es gibt nicht viel zu tun und der Wecker wird um 5:30 Uhr klingen.

Unser Frühstück sieht genauso aus wie das Picknick und das Abendessen: Brot, Käse, Apfel, Biltong von Strauß und Rind. Halb sieben wandern wir los. Die heutige Strecke wir mit einer Dauer von 9 Stunden angegeben und soll direkt zum Kap der Guten Hoffnung führen. Weil wir aber jung und sportlich sind und Alles mitnehmen wollen, was uns dieser Weg bietet, entscheiden wir uns für einen Abstecher zum Cape Point. Laut Plan legen wir mit diesem Umweg noch ungefähr zwei Stunden Wanderung oben drauf. Am späten Nachmittag haben wir ein Verabredung zum BBQ beziehungsweise Braai, wie man hier in Südafrika sagt. Da müssen wir uns sputen.

Die Strapazen zum Cape Point halten sich in Grenzen. Wir klettern und können unsere Faszination über die variantenreiche Natur kaum in Worte fassen. Als wir gegen 8 Uhr am Cape Point ankommen, ist der Touristenmagnet leer gefegt. Keine Menschenseele weit und breit. Der Nationalpark war bis eben noch geschlossen und es sind noch nicht einmal die Mitarbeiter der Souvenirshops und Restaurants eingetroffen. Michael muss also auf seinen geliebten Espresso verzichten. Stattdessen genießen wir die ungewöhnliche Situation und besuchen den Leuchtturm und das Leuchtturmwärterhäuschen in der Einsamkeit der schroffen Klippen. Zwei Dassies, übergroße Meerschweinchen, beobachten unser Treiben neugierig und lassen sich beim Sonnen nicht stören. Die Gischt der Wellen spritzt an den Felsen empor, ein Schauspiel von Farben, das sich gewaschen hat. Wie schön und unterhaltsam die pure Natur sein kann. Vögel kreisen über der Bucht und fliegen mit ihrem frischen Fang zurück in ihre Horste in den senkrechten Steinwänden. Michael ermahnt zu Eile. Das Kap der Guten Hoffnung ist an diesem Tag noch jungfräulich und wir wollen die Ersten sein, die es begrüßen. Ein hübscher Pfad aus Holzbrettern führt und sicher zum Ziel. Ein einmaliger Moment. Erst einmal durchatmen! „Husch! Husch!“, Michaels Zeitplan erlaubt keinen Verzug. Wir steigen ab zu dem offiziellen Schild „Cape of Good Hope“. Iphone raus und Interview mit Sheila. Geht das jetzt so weiter? Ich brauche einen Visagisten und einen Frisör! Es ist windig und ohne Jacke wieder einmal zu kühl. Afrika, wie konntest Du mich täuschen?

 

 

 

In den kommenden Stunden wird es sehr gemütlich. Wir wandern am Strand entlang und lassen die mühseligen Auf- und Abstiege erst einmal hinter uns. Plötzlich nehmen wir Augenwinkel eine Bewegung. Bevor ich verstehe, was wir am Fuße des Berge zu unserer Rechten entdeckt haben, ruft Michael:„Schau mal! Ein Strauß!“ Und kurz darauf: „Und noch einer!“ Eine Gruppe der riesigen Vögel spaziert seelenruhig zwischen Gräsern und Büschen entlang, zupft hier ein bisschen Kraut und dort ein paar Blätter. Ein Strauß setzt sich nur zehn Meter entfernt hin und chillt ein bisschen. Ich bin begeistert. Straußen in freier Wildbahn und so nah. Bestimmt könnte ich den Abstand noch reduzieren, aber irgendwie flößt mir die Größe der Tiere doch etwas Respekt ein. Auf einen Ritt auf einem Strauß in Outshoorn kann ich getrost verzichten. Wir nehmen Abschied, aber es ist nur ein Abschied auf Zeit. Die Beine des monströsen Federviehs sind ja etwas länger und unsere Freunde werden uns unauffällig folgen.

Die Sonne strahlt. Keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Das Meer glitztert und unser Wanderweg führt über schwarze Gesteinsbrocken, Sand, und durch Sträucher, durch die wir wie durch Arakden mit geduckten Köpfen hindurchkriechen. Spannend, die Abwechslung! An einer kleinen Station füllen wir unsere Wasserflaschen auf. Kurze Zeit später stehen wir vor einer riesigen Düne aus weißem Sand. Wir können keinen Weg mehr entdecken, die Beschilderung fehlt an dieser Stelle. Was tun? Im warmen Sand ziehen wir die Schuhe aus. Keine gute Idee, stelle ich fest: drei große Blasen haben sich an meinen Füßen gebildet. Meine treuen Asics haben bisher jede Herausforderung gemeistert, aber dieses Mal hatte ich vergessen, vernünftige Socken anzuziehen. Ihr wisst schon: die, für man 30 Euro bezahlt, einer für den linken und einer für den rechten Fuß designt. Sehr zur Belustigung meiner Mutter und zum Gelächter meiner Flottenfreunde, die mich nach einem umfangreichen Vortrag in Sachen Funktionssocken mit „R“-Socken an beiden Füßen erwischten. Jedenfalls rieben Staub und Sand gehörig an meiner zarten Haut und so konnte und so zog ich die Schuhe schnell wieder an. Ab diesem Zeitpunkt gehörten Schmerzen zu jedem Schritt, frei nach dem Motto: Wer Schönes sehen will, muss leiden. Wir beschlossen, die andere Seite der Düne zu erkunden, immernoch auf der Suche nach dem korrekten Pfad. Kaum erreichten wir den Kamm des Sandberg, schauten wir in sechs erschrockene, große braune Augen. Diese sahen ijn zwei mindestens genauso entstaunte Gesichter. Eine Antilopenfamilie aus zwei ausgewachsenen Exemplaren und einem Kitz standen vor uns direkt am Strand. Wie wunderbar! Das ist Afrika! Wunderschönes hellbraunes Fell, imposante, in sich gedrehte Geweihe und ein eleganter Gang. Unsere Besuch kommt ungelegen und die hübsche Gruppe entfernt sich zügig. Meine Schmerzen sind vergessen. Ich will mehr! Mehr Tiere! Mehr Natur!

Wir suchen ein Wrack, das in unserer Karte als Sehenswürdigkeit ausgeschrieben ist. Wir trauen unseren Augen kaum. Sollen die paar Metallteile am Strand wirklich das berühmte Wrack sein? Egal! Der große Baumstamm, der daneben herum liegt, bietet einen einzigartigen Blick für die Buchten und Stränden und eignet sich hervorragend als Picknickplatz. Wir hüpfen auf den Stamm und breiten unser Essen aus: Brot, Käse, Äpfel, Biltong. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, wir schwören, es ist die Wahrheit: Kaum knabbere ich an meiner harten Wurst aus getrocknetem Straußenfleisch, rücken unsere Freunde heran. Papa Strauß, Mama Strauß, Baby Strauß. Offensichtlich ist dies ihr Revier oder sie erkennen ihren Bruder in meiner Hand wieder. In jedem Fall kommen sie immer näher und näher. Ich weiß nicht, ob es Micha mit der Angst zu tun bekommt oder die Hummeln in seinem Hintern – sorry! – wirklich so groß sind. Jedenfalls werde ich zum Aufbruch ermahnt, als das gigantische Geflügel schon fast auf Tuchfühlung geht.

Wir nähern uns der Zivilisation. Die Straße, die zum Kap führt, wird überquert und immer wieder Begegnen uns andere Wanderer und Ausflügler. Wir sind erleichtert: immerhin befinden wir uns doch auf der richtigen Route. Nach neun Stunden Wanderung kann ich das Ziel förmlich spüren. Noch eine Kurve und dann sind wir da. Mein Körper ist erschöpft. Mein restliches Proviant wandert in Michaels Rucksack. Schon besser! Plötzlich geht es wieder bergauf. Wie konnte das passieren? Weißes Gestein und schwarze, verbrannte Bäume umgeben uns. Der Buschbrand kann noch nicht allzu lange her sein. Aber die Natur sucht ihren Weg und wir zählen hunderte farbenfrohe Blüten zwischen all den Zeugen der Katastrophe. Hinter dem Berg, steht unser Auto. Da bin ich mir sicher. Aber es kommt natürlich anders. Hinter dem Berg kommt – Ihr dürft raten! – noch ein Berg. Ich würde gern jammern, aber auf einer einsamen Insel kann man sich bekanntlich bei niemandem beklagen. Michael ist vorweg gegangen, um den Schlüssel abzugeben und das Auto zu lüften. Ich schleife meine Füße den letzten Hang hinab, ohne Reue, mit vollem Herzen und großer Dankbarkeit.

Der Weg zurück führt über den bekannten Chapman’s Peak. Immer wieder halten wir, um die Westküste Südafrikas zu fotografieren und uns wie im Paradies zu fühlen. Schöner kann unsere Tour nicht enden. Aber irgendwie endet sie noch gar nicht, denn am Abend besuchen wir Horst und Jutta. Die beiden leben seit 40 Jahren in unserem neuen Traumland und bewohnen heute ein wunderschönes Häuschen mit Pool und bestem Ausblick auf Camps Bay. Ihre Kinder und Enkelkinder leben quasi um die Ecke und so feiert Michael das Wiedersehen mit seinen Freunden und ich freue mich über die herzliche Gastfreundschaft und all die kulinarischen Versuchungen. Wir werden aufs Feinste mit Börewors, Hühnchen vom Grill und Salaten bewirtet, während ich meine Füße in Eiswasser bade. Eis gibt es auch für den Bauch, mit bunten Streuseln, versteht sich.

Als wir in die Marina zurückfahren, kann ich nicht glauben, dass wir nur zwei Tage weg gewesen sind. In meiner Koje schlafe ich ein wie Stein und nehme mir vor, mich einen Tag lang nicht vom Boot weg zu bewegen. Dank Michaels Croissant-Bringdienst, ist sogar mein Frühstück gesichert. Danke, Michael, dass ich diese Wanderung mit Dir teilen durfte und Du mich immer wieder angefeuert hast! Danke, liebe Leser, für Eure Geduld, sofern Ihr es bis an das Ende dieser Erzählung geschafft habt!

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