Sicherheitstraining für die Weltumsegelung

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Es ist Freitag, der 12. April 2013 11:15 Uhr. Wir sind in Neustadt i. H. angekommen. Nachdem uns auf dem Gelände des Marinestützpunktes gesagt wurde, dass wir erst um 12:00 empfangen werden, nutzten wir die Zeit für eine Fahrt durch die Stadt und an den Strand.

Strand Neustadt i.H.

Strand Neustadt i.H.


Leider ist noch alles sehr grau. Also zurück auf den Stützpunkt.

Nachdem wir empfangen, eingewiesen und unsere Kammern bezogen haben geht es in den Seminarraum. Hier wird die 28 Personen umfassende Gruppe halbiert. Gruppe 1 geht in das Brandhaus und Gruppe 2 in die Flutkammer.

Bevor es tatsächlich in die Brandhalle geht bekommen wir eine intensive Schnellbesohlung in die Brandklassen, Löschmittel und das Feuerdreieck. Dieses funktioniert nur wenn Sauerstoff, brennbares Material und große Hitze vorhanden sind. Entzieht man ein Teil geht das Feuer aus. So einfach ist das Prinzip also. Mal sehen wie es in der Praxis läuft.

Sicherheitskleidung in Brandhalle

Sicherheitskleidung in Brandhalle


Im Brandhaus geht es, eingepackt in Overall, Handschuhen, Ski- und Atemschutzmaske um die Handhabung von Löschmitteln und die passenden Verteiler. Aufgabe eins ist das Löschen eines mit Benzin angefackelten „Helikopters“. Genutzt wird der 12kg Pulverlöscher. Anschließend soll ein Benzinbrand in einem Ölfass mit einem CO2 Löscher beseitigt werden. Und zu guter Letzt kommen noch Wasser und Löschdecke zum Einsatz.
Benzinbrand

Benzinbrand


Die Ausbilder erklären jedem in Ruhe wie alles funktioniert und sind immer in der Nähe.
Fazit:
Unglaublich, wie schnell die Löscher leer sind und wie deutlich der Unterschied zwischen den Löschmitteln Pulver, CO2 und Wasser ist. Was sollte an Bord sein? Die Empfehlung des Ausbilders ist: für Yachten je 10m Bootslänge, 2 Stk. 6kg Pulverlöscher gut auf dem Schiff verteilt.

Auf dem Weg von der Brandhalle zur Flutkammer wird noch heiß das Erlebte ausgewertet.

Bevor wir in die Flutkammer dürfen, erfolgt erst einmal eine theoretische Einweisung über die Leckbekämpfung. Welche Hilfsmittel -wie Leckstopfen, Kissen und Bretter- sind für was zu gebrauchen. Welche Werkzeuge -wie Hammer, Axt und Flex- sind von Vorteil. Wie und wo sollten die Bilgenpumpenanlagen verbaut und wie dimensioniert sein. Wie lange kämpfe ich um das Schiff. Um einen Teil vom Themenplan zu nennen.

Flutkammer

Flutkammer


Auf geht es. Die Flutkammer kann man sich wie einen der Länge nach halbierten Yachtrumpf vorstellen. In der Kammer angekommen steht umziehen auf dem Plan. Normale Klamotten runter und Badehose, Baumwolloverall und Segelstiefel an. Danach sollen wir, geteilt in drei Gruppen, gegen das einbrechende Wasser an arbeiten. Das Wasser hat angenehme 20°C und der Chlorgeschmack, den man nach jedem Wasserstrahl im Mund hat, ist schnell vergessen. Unaufhaltsam läuft das Wasser literweise in den Rumpf. Bewaffnet mit bis zu oberschenkeldicken Leckstopfen, Kissen, Brettern und Hämmern kämpfen wir und versuchen die Durchflussmenge möglichst zu reduzieren. Doch leider fehlt uns die Koordination und so übersehen wir anfangs ein Loch im Boden, das unter der Wasserlinie liegt. Damit ist einströmendes Wasser kaum zu erkennen. Wir wären abgesoffen.
Fazit:
Eine Person koordiniert! Der Rest rockt. Nochmal! Es ist unheimlich wichtig, dass eine/r den Überblick behält.

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Am Abend sitzen wir alle geschafft beim Abendessen im Offizierskasino und tauschen uns aus. Ein letzter Schlummertrunk in einer großartigen Runde und dann schlafen. Um 0700 ist wecken.

Nach dem Frühstück geht es zurück in den Seminarraum. Thema für den Vormittag: Rettungsmittel, Rettungswesten und Rettungsinsel. Anschließend treffen wir uns in der Schwimmhalle mit Wellenanlage. Yeah! Bekleidung ist wieder die Badehose und ein Overall. Gestern in dunklem Blau und heute in modischem Camouflage. Wir erhalten hightech Rettungswesten aus dem Bestand der Marine. Erste Aufgabe: Rettungsinseln in das Schwimmbecken befördern und auslösen. Pffft macht es und zack sind die drei Inseln für 6, 8 und 10 Personen fertig.

Rettungsinsel

Rettungsinsel


Als nächstes werden drei Teams gebildet und es heißt ab in die Inseln. Als erstes vom Beckenrand aus. Das hinderliche ist dabei die knapp einen Meter hohe Welle. Vorher bekamen wir Kotztüten. Aber wofür? Phase zwei beinhaltet das Ausharren in der Insel. In der mit Reißverschlüssen komplett geschlossenen Insel riecht es wie in einer Kunststofffabrik und der Sauerstoff wird knapp. Zusätzlich schütteln uns die kurzen Wellen und ein Ausbilder von außen ganz schön durch. Zur Ablenkung und eigenen Motivation singen wir ein Lied. Ich kann mir jetzt sehr gut vorstellen, dass bei diesen ganzen Einflüssen ein empfindlicher Magen in das blaue Regal möchte. Damit löst sich auch die Frage nach den Tüten auf.
Bei Seegang in der Rettungsinsel

Bei Seegang in der Rettungsinsel


Als Drittes dürfen wir von der Rettungsinsel aus über ein Kletternetz eine vier Meter hohe Wand hoch. Oben angekommen helfen wir den Anderen.
Rettung über das Kletternetz

Rettung über das Kletternetz


Runter von dem Podest geht es durch einen Sprung. Dabei ist zu beachten, dass die Rettungsweste erst ausgelöst werden soll, wenn die Füße das Wasser berühren. Keiner bleibt zurück. Alle sind gesprungen. Großartig!
Sprung aus 4m Höhe

Sprung aus 4m Höhe


Im Wasser angekommen sammeln wir uns und klettern zurück in die Inseln. Das Kletternetz simuliert die Rettung durch ein großes Schiff. Der Sprung sowie das Einsteigen in die Inseln aus dem Wasser verdeutlichen uns, was passiert, wenn man sich von einem Tanker retten muss.
Sammeln im Wasser

Sammeln im Wasser


Nächster Akt ist das erneute Umziehen. Dieses Mal allerdings noch das eigene Ölzeug und die selbst mitgebrachte Rettungsweste über den Overall. Damit geht es dann vom Beckenrand mit einer möglichst schlechten Haltungsnote in das Wasser. Diese Übung zeigt uns, wie sich unsere Westen im Ernstfall verhalten.
Ab ins Wasser

Ab ins Wasser


Bei den weiteren Übungen verstehen wir, weshalb eine Sprayhood an der Weste sinnig ist und mit welchen Mitteln man von Rettungskräften aus dem Wasser gezogen wird.
Von Welle überrollt

Von Welle überrollt


Rettungsnetz vom Helikopter

Rettungsnetz vom Helikopter


Fazit:
Anstrengend! Diese Erfahrungen zeigen worauf es ankommt und das Wissen darum beruhigt. Dennoch möchte ich diese Erlebnisse nur in einem Schwimmbad wiederholen.

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Frisch geduscht geht es zurück in den Seminarraum. Hier geht es jetzt in der Theorie um die Behandlung von unterkühlten Personen und über Bord gegangenen Menschen. Es war eine gewaltige Fülle an Infos zu diesem Thema. Die Essenz aus diesem Teil für eine kleine Crewstärke ist:
1. Person möglichst waagerecht wieder an Bord bringen
2. waagerecht an Bord legen und Bewegungen vermeiden
3. Wasser aus der Kleidung drücken
4. Person in eine silber/goldene Wärmeschutzfolie einwickeln, Arme raus, silber zum Körper
5. Luft heraus drücken und mit Klebeband abdichten
6. den ganzen Körper mit Müllsäcken einpacken, Arme und Kopf separat, Möglichkeit zum atmen lassen!
7. Luft heraus und mit Klebeband abdichten
8. Decken drüber und vorsichtig unter den Körper drücken
9. ständig viel Heißes zu trinken geben
10. gut zureden und ständig ansprechen
!Den Körper nicht durch Reiben aufwärmen!

Beim Signalmittelschießen testen wir Fallschirmraketen, das Nico Pistolensystem, Handfackeln und den Rauchtopf. Spektakulär und mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Handfackeln

Handfackeln

Alles in Allem ein sehr zu empfehlendes Wochenende. Besonders Allen die segeln. Egal ob auf dem Teich nebenan oder Blauwasser.

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