ARC Probefahrt beendet

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Der Hafen und die Marina vom Porto de Las Palmas empfingen uns bereits am Dienstagabend mit für uns ungewohnt viel Trubel und Lärm. Waren die letzten Tage auf hoher See geprägt von Stille und wenig Lichtverschmutzung (bis auf den Mond natürlich), gab es hier genau das Kontrastprogramm. Die Marina war durch die bevorstehende ARC bereits sehr überfüllt und darüberhinaus auch teuer. Gut also, dass uns die ARC Teilnahme der Polaris zumindest einen Liegeplatz sicherte. Wie gehabt waren nach dem Anlegemanöver (diesmal aber mit Mooringleinen) die Duschen ausgekundschaftet und das Atlantiksalz von der Haut geschrubbt. Im Vergleich kann aber auch in dieser Beziehung diese Marina nicht mit vorherigen mithalten und ist daher insgesamt keine Empfehlung wert. Also fiel es uns auch nicht schwer, gleich am nächsten Vormittag wieder die Leinen loszuwerfen und entlang der Ostküste Gran Canarias weiterzusegeln. Begleitet von fliegenden Fischen und vorbei an der schroffen Küste ging es bei weiterhin leichtem Halbwind gen Süden.

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Wir waren auf der Suche nach einer passenden Ankerbucht, da der Platz im eigentlichen Zielhafen Puerto de Mogan erst ab Donnerstagabend reserviert war. Zur Abwechslung erklärte uns Skipper Jan noch das Radarsystem an Bord und ansonsten hatte jeder Gelegenheit, die Erlebnisse der gemeinsamen letzten Tage zu verarbeiten. Wir alle hatten sicherlich andere Beweggründe, um mit der Polaris über den Atlantik zu fahren und jeder konnte nun sein persönliches Resumee ziehen. Währenddessen glitt die kanarische Küste an uns vorbei und nach dem einen oder anderen Versuch war am Abend endlich eine schöne und geeignete Ankerbucht ganz im Süden, westlich von Maspalomas weltbekannten Wanderdünen gefunden. Geeignet war sie vor allem deshalb, weil sie genug Tiefe für die Polaris bot. Eine Kehrseite der guten Weltumseglerausrüstung ist nämlich ein recht tiefgelegenes Schiff und manch Hafen oder Ankerbucht ist dadurch einfach zu flach. Hier in Pasito Blanco passte aber alles und für die einzige Verwirrung sorgte der Hafenmeister. Eigentlich sollten wir uns vor dem Ankern außerhalb des Hafens noch drinnen anmelden kommen und haben extra dafür natürlich auch dort festgemacht. Der Hafenmeister konnte allerdings einfach nicht verstehen, warum wir extra in den Hafen gefahren kommen, obwohl wir doch eigentlich nur außerhalb davor ankern wollten? Deutsche Gründlichkeit kollidierte hier scheinbar mit der spanisch-kanarischen Lässigkeit und erst nach einigen Erklärungen fanden wir uns damit ab, dass man hier einfach nur so draußen vorm Hafen ankern konnte. Gesagt getan ging es als wieder raus aus dem Hafen und kurz vor Sonnenuntergang fiel der Anker auf abermals glasklarem Wasser und etwa fünf Meter Wassertiefe. Die Crew nutzte natürlich die Gelegenheit für ein abendliches Bad und jeder, der schon einmal vom „eigenen Boot“ ins klare Meerwasser gesprungen ist, wird das großartige Gefühl nachvollziehen können, irgendwo auf der Welt um sein Schiff herumzuschwimmen. Das ist absolute Freiheit und man hat das unbeschreibliche Gefühl, für diesen Moment in Nichts eingeschränkt zu sein. Der Abend ging, wie schon oftmals zuvor, mit leckerer gekochter Pasta und Wein zuende und bei leichtem Schunkeln wurde die Nacht vor Anker verbracht. Den kommenden Crews können wir in diesem Zusammenhang nur empfehlen, Skipper Jan mit allen anderen Kombüsenköstlichkeiten zu überraschen, außer schon wieder mt Nudeln. Scheinbar haben sich Nudeln in den letzten Monaten bei nahezu allen Provianteinkäufen der unterschiedlichen Crews auf der Einkaufsliste klar ganz weit oben befunden? 😉
Der nächste Tag begrüsste uns zum einen mit ungewohnt starker Bewölkung und mal wieder mit Flaute. Zu sehr wurden wir in den letzten Wochen vom blauen Himmel und Sonnenschein verwöhnt. Nach einem guten Frühstück mitten in der Bucht machten wir aber dennoch das Beste daraus und kurzerhand wurde das Dhingy klargemacht.

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Das von unseren österreichischen Mitseglern Gummisau genannte Beiboot musste zunächst aufgepumpt und der Außenborder angefriemelt werden. Das Ganze kann schnell zu einer recht aufwendigen Prozedur werden, da der Motor exakt und passgenau ganz tief im Heck verpackt ist. Der Spaß, den wir dann aber mit dem doch sehr flotten Bötchen hatten, hat die Strapazen mehr als wieder wettgemacht. Flaute und Wolken waren schnell vergessen, während wir mit wechselnder Besetzung die Bucht und den naheliegenden Yachthafen unsicher machten. Nachdem das Dhingy wieder auf dem Vorschiff verstaut war, wurde der Anker gehoben und auf ging es zum letzten Schlag in Richtung unseres Zielhafens Puerto de Mogán. Gegen leicht aufgefrischten Wind kreuzten wir uns entlang der Südküste dem Ziel entgegen. Am Donnerstagnachmittag schliesslich war es soweit und nach fast zwei Wochen wurden im Zielhafen die Leinen festgemacht. Nicht ohne Übertreibung können wir behaupten, diese erste Atlantik Herausforderung gut gemeistert zu haben und durchaus kann man diese Etappe der Espoto Worldtour als erste erfolgreich bestandene ARC Probe der Polaris verstehen. Sicherlich werden einige der gesammelten Erfahrungen mit der Polaris in die anstehenden ARC Vorbereitungen einfließen und mit gutem Gewissen können wir nun das Schiff an die nächste Crew übergeben. Skipper Jan und seinem Schiff wünschen wir jedenfalls allzeit gute Brise und natürlich auch immer die obligatorische Handbreit Wasser unterm Kiel.

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