Backbordbug

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Nach der ersten erholsamen und schaukelfreien Nacht in der Marina von Porto Santo nutzten wir die Zeit, um ausreichend neuen Proviant zu bunkern und uns gleichzeitig das Eiland anzuschauen. Dazu wurde uns Miguel mit der Taxinummer 12 empfohlen, weil er erstens das einzige 7-sitzige Taxi weit und breit besitzt (Seat Alhambra, laut Miguel „Good German Quality“, ah ja) und weil er die Insel wie seine Westentasche kennt. „My friend, you tell me, I bring you“ hieß es daraufhin tatsächlich des Öfteren und Taxifahrer Miguel stellte sich als sehr unterhaltsamer Reiseführer heraus. Dank bereits beendeter Saison war er scheinbar froh, endlich einmal wieder Touris umherfahren zu können. Kurzerhand wurde also ein sehr fairer Fixpreis ausgehandelt (ohnehin sind die Preise auf der Insel außerhalb der Saison sehr fair) und los ging es am Samstagnachmittag Rund Porto Santo – nur diesmal ausnahmsweise ohne Polaris. Vorbei an einigen Fotostopps ging es teils so steil bergauf, dass die „Good German Quality“ ganz schön zu kämpfen hatte. Einige Male hatten wir das beklemmende Gefühl, doch besser aussteigen und schieben zu müssen.
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Gut also, dass Skipper Jan an Bord geblieben war, um sich pflichtbewusst um die Planung der nächsten Etappe zu kümmern. Nachdem die Insel mit der gut bewährten Japanmethode (Stopp, sechs Kerle aus dem Auto raus, Fotos, wieder rein gequetscht, weiter, nächster Stopp) abgefahren war, wurde Skipper Jan eingesammelt und auf persönliche Empfehlung von Miguel das Panorama Restaurant geentert. Neben der besagten Dusche nach fünf Tagen auf hoher See und dem Bad im glasklaren Atlantikwasser am Strand war das sicherlich das Highlight auf Porto Santo. Eine sehr schöne Sicht auf die ganze Insel bei Sonnenuntergang, online casino verbunden mit sehr gutem Essen(es gab Steak, Tintenfisch, Black Scabbard Fisch), Wein und zuvorkommendem Service machten diesen Abend einzigartig, wobei er aber noch längst nicht zuende sein sollte.
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Zurück an Bord ging das Vergnügen munter weiter und bei dem einen oder anderen Bier wurde die nächste Etappe besprochen, sowie die vorherige ausgewertet. Beschlossen wurde dabei auch, gleich am nächsten Tag, am Sonntagvormittag weiterzusegeln, um das beste Windfenster mitzunehmen. Dumm nur, dass just in dem Moment ein deutsch beflaggtes Segelboot um die Ecke gebogen kam, als der harte Kern gerade (irgendwann zwischen Samstag und Sonntag) das Kojenaufsuchen entschieden hatte. Selbstverständlich wurde die andere ebenfalls deutsch-österreichisch gemischte Crew dennoch zünftig willkommen geheißen und noch ein wenig Segellatein ausgetauscht. Unweigerlich führte das dann aber natürlich dazu, dass die Abfahrt am nächsten Tag ein wenig verschoben werden musste. Da die Klamotten eines nicht namentlich zu nennenden Crewmitglieds aber ohnehin noch trocknen mussten, war das auch nicht weiter schlimm. Mitten in der Nacht, schon ziemlich nah am nächsten Morgen, war jemand beim Versuch des Bierwegtragens wohl ein wenig zu weit über die Pier getreten. 😉

Nichtsdestotrotz wurden gegen Sonntagmittag dann doch die Leinen losgeworfen und weiter ging es auf große Blauwasserfahrt über den Atlantik. Ziemlich genau geradeaus immer Richtung Südosten vorbei an Madeira und Isla Deserta wollte Porto Santo am Horizont einfach nicht verschwinden, so als wollte uns die Insel an den Fersen kleben bleiben. Irgendwann aber ging der inzwischen schon bekannte Wache-Freiwache-Schlaf Fahrtensegleralltag wieder los, Sonnauf- und untergänge wechselten sich fast merklos miteinander ab. Die ganze Zeit über ging es bei leichter Atlantikbrise hart am Wind, unterstützt von 1-2kn Strom von Achtern, auf der Backbordseite immer weiter gen Kanaren. Jedes Kühlschranköffnen, bei dem einem alles Mögliche entgegenflog, erinnerte einen daran, dass man nach wie vor auf exakt dem selben Kurs unterwegs war. So gingen die Tage dahin und dank fehlender Schiffe am Horizont fühlte man sich spätestens jetzt so, als sei man der einzige Mensch auf Erden bzw. dem Atlantik. Selbst Delfine und umhertreibende Schildkröten waren keine mehr zu sehen. So ging das bis kurz vor Gran Canarias Küste, als plötzlich der Wind fast komplett einschlief und uns die letzten 70 Meilen wieder einmal zum Motoren zwang. Am Dienstagabend endlich kamen wir schließlich in Las Palmas an und waren alle überrascht, wie groß der Hafen ist. Der ungeplante Zwischenstopp Las Palmas wurden deswegen entschieden, weil uns ein Wetterwechsel weiter östlich der Kanaren auf der eigentlich geplanten Route westlich von Gran Canaria zu kräftezerrendem Aufkreuzen gezwungen hätte. Man muss also trotz guter Vorbereitung immer auf Überraschungen und Änderungen gefasst sein. Mehr dazu dann aber beim nächsten Mal…
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