Wir sind Pazifik!

Das letzte Kap lag hinter uns. Vor uns öffnete sich eine unendlich weite Bucht voller Tanker, Frachter und Containerschiffe. Der karibische Eingang zum Panamakanal begrüßte uns mit 35°C, gutem Wind und stahlblauen Himmel. Jan und Ricco (Skipper of the day)  navigierten uns mit dem AIS – System (damit kann man alle großen und kleineren Schiffe im Umfeld nach Geschwindigkeit und Richtung genau beobachten – Anm.d.Red.) durch diese viel befahrene Bucht. Wir rauschten in die riesige Einfahrt und legten am Steg der Shelter Bay Marina an. Hier wurden die Schiffe für die Durchfahrt mit Reifen und langen Seilen ausgestattet sowie alle Fenster und Solarpanele mit Kissen und Pappen gegen die Wurfgeschosse im Kanal gesichert. Die Nächte waren feuchtwarm und brachten lästige Mückenschwärme. Somit waren die Nächte für uns oft bereits um 3 Uhr beendet. Der Vorteil dieser kurzen Schlafperiode waren die extrem guten Wlan Verbindungen auf der Terrasse des Clubhauses, die gleichzeitig mit Dienstbeginn in Deutschland zusammen fielen. Die Kollegen werden sich sehr gefreut haben :-). An zwei Tagen wurden die Schleusen besichtigt und ein Rieseneinkauf für die folgenden Wochen und Monate getätigt. Das Verstauen war ein weiterer Höhepunkt dieser Reise. Viele Dinge, die es in der Südsee gar nicht oder nur sehr teuer gibt, galt es zu organisieren. Darüber hinaus wurde von Frank am Schiff geschraubt was das Werkzeug hergab. Allerdings fehlte nach wie vor unsere 7m Antenne, die uns auf den Ozeanen eine günstige Möglichkeit schaffen soll, Textmails zu senden und mit der Seglergemeinschaft zu funken. Wegen eines Schneesturmes lag sie bei DHL in Ohio fest. Es bleibt spannend mit der Technik.

Ein letzter Ausflug brachte uns per Bus, Boot und zu Fuß zu den Embera Indios, welche in ihrer Gemeinschaft das ursprüngliche Leben bewahrt haben und mit Besuchern teilen. Die Fahrt durch die Fluss- und Seenlandschaft war grandios und der Tag faszinierend und lehrreich zugleich. Sehr schnell fand man zu den Kindern Zugang. Besonders die Puzzle – Spiele auf meinem Iphone fanden begeisterte Fans. Espoto kann kommen. Sicherlich kann man hier geteilter Meinung über den pädagogischen Wert sein, aber alle hatten viel Freude am gegenseitigen Entdecken und die Eltern standen dabei und hätten am liebsten mitgemacht. Ein gemeinsames Bad unter dem Wasserfall mit unserem Indio-Bootsführer und seinem Sohn war für mich der Highlight des Tages und ein schöner Abschied von der Karibik.

Am folgenden Tag hieß es Leinen los für die große Durchfahrt. Für Frank, unseren Seebären, einer der großen Momente in seinem Seelenleben. Er wollte unbedingt den Kanal von Anfang bis Ende am Steuer stehen – Bitteschön. Wir fuhren in die erste riesige Schleuse ein und versteckten uns vor den Wurfgeschossen, welche die Leinen zu den Leinenführern transportierten. Schwere Enden trafen das Schiff, alles blieb ganz. Das Tor schloss sich – bye bye Karibik. Nach drei Kammern kamen wir im inneren Teil an und ankerten über Nacht. Am darauf folgenden Tag kamen auf jedes Schiff Lotsen. Sie blieben den ganzen Tag über bis zur Ankunft in Panama Stadt an Bord und hatten keine wirklichen Aufgaben. Viele Menschen für überschaubare Tätigkeiten. Vielen Dank denen, die nachts am Schirm ausgeharrt haben und uns live verfolgen konnten. Das Geheimnis des Kanals kann man schlecht beschreiben. Die Fahrt durch den Dschungel, vorbei an riesigen Bauwerken und Schiffen beeindruckt. Der Panamakanal lebt aber auch von seiner Geschichte, die aktuell mit dem Bau einer neuen größeren Schleuse fortgeschrieben wird. Gespannt schauten wir auf das letzte Schleusentor und den Spalt, der uns den Blick zum Pazifik eröffnete. Geschafft. Wir fuhren heraus und freuten uns auf Panama und die Bridge of the Americas, dem Tor zum Pazifik. Es waren großartige Augenblicke, als wir durchfuhren und in Panama vor Anker gingen.

Panama Stadt bietet eine atemberaubende Skyline, die man so nicht erwartet. Eine Stadtrundfahrt mit vielen Fußwegen zeigte uns die Vielfalt sowie die Kontraste dieser Metropole. Nach einem Schweiß treibenden Aufstieg überblickten wir die Stadt in all ihrer Größe und genossen einen Blick auf die Docks des Kanals sowie die Amerikanische Zone – des früheren Betreibers. Eine große Aufgabe bestand in der Reparatur des Wlans meines Rechners, ohne das ich quasi meine Mission nur schwer fortsetzen konnte. Ich hatte nicht viel Hoffnung. Nach einigen Irrungen mit dem Taxi wurde ich zu einem Mac Service Center gebracht, welches ich so nicht erwartet hatte. Hoch professionell wurde mir umgehend geholfen und einige Klicks später war alles am Laufen. Keine Kosten, keine teure Hardware – ein Glückstag! Zur Feier des Tages zogen Ricco und ich in die größte Einkaufsmeile Südamerikas und deckten uns für das kommende Jahr ein. Leider verdarben wir uns beim Mittag den Magen – Ricco kurz und ich bis gestern. Pünktlich zu unserem Start nach Galapagos scheint alles wieder OK!  Den Abschluss bildete ein Abendessen in der Altstadt in lauer Nacht und mit mediterranem Ambiente. Die Besonderheit des Abends waren die extrem vielen Sicherheitsleuten an allen Zugängen zum Platz. Wir erlebten im Verlauf eine Geburtstagsfeier für ein 15 jähriges Mädchen, dessen Vater es richtig krachen lies und vorsorglich diese Sicherheitsmaßnahmen persönlich organisierte – Panama eben. Um 07.30 Uhr erreichte uns in letzter Sekunde unser lang ersehnter 7m Mast – nun aus Florida. Wir waren überglücklich und freuten uns auf die Perlen vor Panama – Las Perlas, die wir in 5 Stunden erreichen sollten. Ca. 20 kleine Wale und Hunderte von Pelikane begleiteten uns und begrüßten uns im Ausläufer des kalten Humboldt Stromes. Willkommen im Pazifik!

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