Fatu Hiva

Die Insel mitten im Pazifik sollte durch einen der umstrittensten und populärsten Forscher und Autor bekannt werden. Thor Heyerdahl lebte hier für ein Jahr mit seiner ersten Frau in völliger Abgeschiedenheit seinen Traum von einer zivilisationsfreien Welt. Wenige Jahre später wurde er durch seine Reise mit dem Balsaholzfloß Kon-Tiki weltberühmt. Seine These, dass Polynesien auch von Südamerika besiedelt werden konnte war somit zumindest technisch bewiesen. Die jetzigen Einwohner erzählten mir, dass sie nicht wissen, wo ihr Ursprung liegt. Aber egal ob Asien oder Amerika, das Wichtigste für sie ist das Glück im Augenblick.

Wir erreichten die Insel am Nachmittag. Auf unserem Weg von Hiva Oa nach Fatu Hiva angelten wir unser Abendessen. Zwei tolle Thunfische bereicherten unseren Tisch. Die Bucht der Jungfrauen (Bay of virgin) empfing uns in der Abendsonne in einem fantastischen Licht. Das tiefe Grün auf den hochaufragenden Bergen beeindruckte uns mehr als jedes Foto. Die Formation der Felsen und die tiefe Schlucht zogen uns alle in ihren Bann. Starke Fallwinde forderten unsere Ankerfähigkeiten. Mit einem Heckanker und einer Tauchaktion als Sicherheitscheck lagen wir sicher mit 3 weiteren Booten. Kurz vor Sonnenuntergang öffnete der Himmel all seine Pforten und ergoss Ungmengen von Wasser über uns. Somit konnten wir das von Salzwasser umschlossene Boot direkt reinigen und uns gleich mit. Das Duschen war somit ressourcenschonend für den Tag abgeschlossen. So schnell wie der Regen von den Bergen kam verschwand er wieder. Ein gleißender Sonnenuntergang begleitete unser Abendessen, welches mit Hingabe und Sorgfalt vorbereitet wurde.

Die Nacht war stürmisch, regnerisch und bewegt, was eine gigantische Geräuschkulisse ergab. Einige Crewmitglieder lauschten auf die Wellen am nahen Felsen. Andere beobachteten den Anker. Ich schlief in dieser Nacht sehr gut! Nach etwas Frühsport am nächsten Morgen bereiteten wir uns zur Trekkingtour zum Wasserfall vor. In dem kleine Ort wurden Verabredungen mit einigen Einwohnern für die Rückkehr getroffen. Wir wollten etwas Obst mitnehmen. Die Schulzeit war in vollem Gange. Eine große Tafel an der Wand verriet uns die Namen der Kinder und deren aktuelle Klassenstufe. Tobend und schreiend genossen sie ihre Pause mitten am Stand unter Palmen im satten Grün des Tals.

Wir zogen die Straße bis zur Abbiegung an einer umgestürtzten Palme entlang. Mittendrin ergossen sich wieder einmal etliche Wassereimer über uns. Die aufgestauten Wolken nehmen hier auf Wanderer keine Rücksicht. Bei den heißen Temperaturen genossen wir das kühle Nass im Bewusstsein, dass wir genauso schnell wieder trocken werden. Es ging durch das tiefste Grün, was ich bisher gesehen hatte. Die Vegetation war undurchdringbar vielfältig und übermächtig. Wir wateten durch Schlammfelder und Bäche vorbei an Hibiskus, Grapefruit- und Limettenbäumen. Der Wald wurde immer dichter, die Steine größer und das Rauschen des Bergbaches lauter. Bis zuletzt konnte man nicht sehen, wie weit man dem Ziel schon gekommen war. Plötzlich öffnete sich auf einer kleinen Anhöhe zwischen zwei mächtigen Felsbrocken eine runde Schlucht mit einem riesigen Wasserfall in ihrer Mitte. Wir konnten es kaum erwarten, in das klare Becken zu gehen und unter die Millionen kleiner Wassertropfen zu schwimmen, welche aus einem stahlblauen Himmer herunterfielen. Weit oben schlossen sich Palmen und andere großartige Gewächse über uns zusammen. Ein faszinierender Ort, der das Erlebnis Fatu Hiva krönen sollte.

Auf dem Rückweg pflückten wir einen Rucksack voll Limetten für die Veredlung unseres täglichen Trinkwassers, schnitten Stauden von Bananen ab und kauften im Ort 20 Grapefruits, welche sogleich an Bord getestet wurden. Süß, saftig und riesengroß waren sie der kulinarische Abschluss des Tages. Die Wettervorhersage über Kurzwelle verhieß Flaute für einige Tage. Somit verließen wir mit Sonnenuntergang und vielen schönen Erinnerungen und ein wenig Wehmut Fatu Hiva mit Ziel Ua-Pou, 100sm nördlich auf unserem Weg nach Nuku Hiva.

Copyright: yoomac

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