inside out

Die Polaris, eine 15m Hochseeyacht, stampft durch die Wogen der Ostsee dem Ziel Warnemünde entgegen. Die Gischt schießt vom Bug in hohem glitzernden Bogen ins offene Meer. Die weißen Schaumkronen auf der aufgewühlten See verraten den starken Wind, der sich unter dem stahlblauem Himmel und der strahlenden Sonne von seiner besten Seite zeigt. Wie muss es sein, so durch den Stillen Ozean, auch Pazifik genannt, zu pflügen? Die Nacht erreicht unser Team und wir überstehen mehrere Gewitter mit Sturmböen und gewaltigen Regenfronten. Die Ostsee ist ein anspruchsvolles Revier! Im Morgengrauen stehe ich am Steuer, als uns eine weitere Regenfront erreicht. Dicker Nebel mit Wasser aus Eimern umschließt das Boot. Ich sehe aus dem Augenwinkel die Lichter eines großen Schiffes auf uns zukommen, gebe das Kommando sich festzuhalten als im selben Moment ein gewaltiger Windstoß die 15 Tonnen schwere Yacht einfach auf die Seite legt. Ich kann mich gerade noch an der Reling festhalten als ich frei hängend 5m unter mir die Ostsee sehe. Sekunden später richtet sich die Polaris wieder auf.

Das Boot ist stark genug für eine Weltumseglung. Bin ich es auch fragte ich mich auf der Langstreckenregatta „Rund Bornholm“ im Juni 2008? Seit Beginn meiner Seglerlaufbahn fragen mich die Menschen, was ich von einem Ausstieg auf Zeit in Form einer Weltumseglung halte. Wenn es erst mit 60 sein soll oder ich alle meine Projekte dafür aufgeben muss halte ich davon nichts. Ich liebe meine Arbeit, mein Team und meine Freunde zu sehr, um sie hinter mir zu lassen. Das Thema hat mich jedoch seither nicht mehr losgelassen. Ich habe nach Möglichkeiten gesucht, die vielen Wege, die ein solches Projekt bietet, zu betrachten. Auf der einen Seite steht die Verwirklichung meines Lebenstraumes, der Route der Abenteuerer zu folgen und eine Reise in Slow Motion durchzuführen. Auf der anderen Seite steht die Frage nach der Einbindung von Familie und dem Unternehmen Teamgeist in solch ein Projekt.

12.000km von Berlin entfernt, 6 Jahre später und viele Tausend Euros ärmer kreuze ich jetzt den Weg von Thor Heyerdhal und seinem Balsaholzfloss Kontiki auf 09° 43,675´ Süd / 126° 35,939 West mitten im Pazifik. Der größte Ozean mit seinem dunkelblauen erhabenen Wasser und seiner scheinbaren Unendlichkeit nehmen mich gefangen. Ich bin mit der Polaris seit 14 Tagen ununterbrochen gemeinsam mit 5 weiteren Teammitgliedern auf der Route von Galapagos auf die Südseeinseln von Polynesien unterwegs. Für mich fühlt sich jeder Tag an, dem persönlichen Ziel der Reise näher zu kommen. Je weiter wir uns von jedem festen Ort entfernen, um so weiter rücken wir mit dem Boot, den Naturgewalten und den Menschen an Bord zusammen. Kein Tag gleicht dem anderen und doch spielt Routine eine große Rolle. Die Bedingungen ändern sich ständig. Viel Wind steht neben Flaute, hohe Wellen neben glattem Ozean und Momente tiefer Nachdenklichkeit neben ausgelassener Fröhlichkeit.

Es war ein weiter Weg bis hierher. Unternehmerisch verfolgt die Reise das Ziel, espoto – die neue Softwareinnovation der Teamgeist GmbH weltweit bekannt zu machen. Es ist das größte Projekt, was Teamgeist je geplant hat und aktuell umsetzt. Viele Partner verfolgen unser Projekt und sind begeistert von unserem Mut, den Ideen und dem Willen der Mitarbeiter, das Projekt erfolgreich umzusetzen. Als einzelne Person wäre es mir nicht möglich gewesen, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wir wollen, dass unsere Partner und Teammitglieder stolz sind, Teil von etwas Einzigartigem zu sein. Für unsere Familien bedeutet es Entbehrungen, aber auch eine besondere Nähe über so viele Tausend Kilometer. Die Selbstverständlichkeit des Alltages verschwindet und die kleinen Dinge und Werte gewinnen an Bedeutung.

Über ein Jahr dauerte die technische Vorbereitung der Segelyacht Polaris zu einer fast autonomen und im Segelbetrieb klimaneutralen schwimmenden Teamgeist Idee. Die besondere Herausforderung bestand darin die Crew wochenlang mit Energie, Wasser und sonstigem versorgen zu können, ohne an Land gehen zu müssen. Über Solar, Windkraft, Wasserkraft und einer Entsalzungsanlage wurde diese Anforderungen durch den Technikchef Kendy realisiert. Dazu wurden weiterhin über 3 km neue Kabel verlegt und eine aufwendige Kommunikationsanlage eingebaut. Mit dieser ist es weltweit und unabhängig von jedem Ort aus möglich in Kontakt mit der Projektleitung zu treten. Neueste Bilder und Berichte erreichen so in Echtzeit live vom Ozean den Blog der www.espotoworldtour.com.

Pünktlich und voll im Zeitplan startete die Polaris mit ihrem Team um Skipper Jan von Warnemünde aus mit Ziel Karibik. Fünf Monate später, über 10.000 Meilen im Kielwasser und jede Menge Erlebnisse reicher, lief die Polaris auf der Insel Saint Lucia in den Hafen ein. Viele internationale Anwendungspartner konnten z.B.: in London, Brest, Lissabon, den Kanaren und der Karibik mit uns in direkte Verbindung treten. Die Yacht bewährt sich hervorragend und war gerüstet für Ihre große Runde um die Erde.

Auf meiner Fahrt zum Flughafen am 2. Januar 2014 stellte ich fest, dass mein Pass nicht dort war wo er sein sollte. Es blieb kaum mehr Zeit bis zum Abflug. Er war nirgendwo zu finden und so fuhr ich mit vollem Gepäck nach Tegel, um die traurige Mitteilung meinem Team zu machen und einen neuen Plan zu erarbeiten. Auf dem Weg zum CheckIn nahm um 5 Uhr früh mein Freund Ricco aus dem Augenwinkel eine Dame an einem Counter wahr, die zum Dienstbeginn einen roten deutschen Pass in der Hand hielt. Er drehte sich um und fragte sie, ob dieser zufällig einem Michael Haufe gehörte. Sie bestätigte dies. Der Anruf von meinem besten Freund erreichte mich bei Einfahrt in den Flughafen. Ich hatte ihn am Abend vorher beim Vorabcheckin unserer besonderen Expeditionsausrüstung dort zurück gelassen.

Nach der Landung auf der Insel Saint Lucia erlebten wir direkt die umfangreichen Zerstörungen durch einen tropischen Sturm, der die Insel wenige Wochen vorher erreicht hatte. Straßen waren komplett weggerissen und man bemühte sich, die wichtigste Infrastruktur wieder herzustellen. Eine führende Rolle übernahm hier das Rote Kreuz. Die Bevölkerung war auf dem Wege des Neuaufbaus. Wir konnten mit Spenden unterstützen und ein wenig Hilfe leisten. Unser Start stand in einer Woche bevor und die Liste der zu erledigenden Dinge war unendlich lang. Das Wichtigste war der Einbau und die Inbetriebnahme einer Funkanlage, die über Tausende von Meilen die Informationen unabhängig von Satelliten übertragen kann. Dieser gestaltete sich zeitaufwendig und kompliziert. Die ersten Nachrichten konnten wir im Pazifik versenden.

Der Start zur Rallye um die Welt erfolgte am 11. Januar 2014 mit 49 Yachten aus allen Teilen der Welt. Die erste Teilstecke durch die Karibik war durch starken Wind, hohe Wellen und der Warnung vor Piraterie auf der Höhe Venzuelas eine Herausforderung für Material und Crew. Nach den ersten Stunden an Bord hat sich jeder seiner Rolle angenommen und seine Aufgaben so gut er konnte erledigt. Vom Steuern über Kochen oder kleine Reparaturen musste alles auch bei Seegang erledigt werden. Bei teilweise 30 Grad eine absolute Herausforderung für jeden. Nach 7 Tagen Strapazen erreichten wir die San Blas Inseln vor Panamas Küste. Hier fühlten wir uns im Paradies angekommen. Die kleinen Inseln waren teilweise bewohnt und boten uns Reisenden, was wir aus den Prospekten kannten. Türkis farbenes Wasser, weißer Strand und Palmen die ins Wasser reichten. Täglich stand ein anderes kleines Atoll mit wunderschönen Eindrücken auf dem Segelplan.

Nach dieser traumhaften Kulisse sollten wir einen Gegensatz erhalten, wie er größer nicht sein kann. Die Durchfahrt durch eines der größten und bedeutendsten Bauwerke stand uns bevor. Der Panama Kanal ist baulich mindestens genauso bedeutend wie politisch. Er verbindet den Atlantik mit dem Pazifik und erspart der Schifffahrt die Umfahrung Südamerikas. Für die Großschiffahrt gebaut, erlaubte die Kanalverwaltung auch Segelyachten unter strengen Auflagen die Durchfahrt. Sie wurde zum unvergesslichen Erlebnis. Meterhohe Wände aus Beton und Stahl hielten einem Damm gleich die Wassermassen davon ab, ungebändigt herunter zu stürzen. Die beiden Schleusenanlagen an beiden Seiten beförderten die Boote auf ein höher gelegenes See-& Kanalsystem. Über WebCam´s kann man weltweit die Durchfahrt verfolgen. In diesem Jahr wurde das 100 jährige Bestehen des Kanals gefeiert. Eine Erweiterung des Kanals ist aktuell in vollem Gange.

Nach der Öffnung der letzten Schleusentore wurden wir unter Brücke von Amerika in den Pazifik entlassen. Ich habe mich auf diesen Augenblick sehr gefreut. Der größte aller Ozeane bedeckt fast die Hälfte der Erdoberfläche und beherbergt die letzten Geheimnisse der Menschheit in seinen Tiefen. Das Wasser scheint blauer und der Horizont weiter. Willkommen auf der anderen Seite der Welt! Dieser Moment haben wir gefilmt und in Echtzeit in alle Standorte übertragen. Er ist Symbol für die Internationalisierung der Teamgeist GmbH mit der espoto Software. Vor uns öffnete sich die atemberaubende Skyline von Panama City.

Panama City ist eine lebendige aufstrebende Stadt. Sie stellt sich modern dar und kann Ihre tiefe Spaltung nicht verbergen. Die Anstrengungen, die Kriminalität einzudämmen tragen erste Erfolge. Wir fühlten uns abends in der Altstadt wohl. Trotzdem konnten wir beim Anblick zahlreicher Sicherheits- & Armeekräfte eine kleine Unsicherheit nicht verleugnen. Kleinere Reparaturen konnten erledigt werden und restliche Ersatzteile für die Funkanlage trafen nach einer Odyssee über Ohio und den Rest der Welt nach 3 Wochen bei uns ein. Nun konnten wir endlich an den Funkrunden teilnehmen. In Panama erledigten wir die fast unlösbare Aufgabe, Proviant für den Weg nach Galapagos und teilweise auch für die folgenden Etappen zu bunkern. Die Versorgungssituation wird bedingt durch die isolierten Lagen vieler Inseln des Pazifik schlechter und wesentlich teurer.

Wir verließen Panama nicht, bevor wir noch einen Stopp auf den Las Perlas Inseln absolviert haben. Diese vorgelagerte Inselgruppe besteht aus kleinen Inseln mit üppigen Grün und sind völlig anderer Natur als San Blas. Sie sollten der Ausgangspunkt für unsere Etappe nach Galapagos sein. Sie war gleichzeitig die erste Probe im Pazifik und der Test für die längsten Abschnitt der darauf folgen sollte. Nach dem Start forderte uns eine Flaute heraus und zwang uns zwei Tage zu motoren um ein Windfeld zu finden. Dieses gestaltete sich nicht als zielführend, da es uns genau entgegen wehte. Somit waren wir gezwungen zu kreuzen, worunter man einen Zickzackkurs gegen den Wind versteht. Ein guter Fang sicherte uns ausgezeichnete Mahlzeiten und eine variantenreiche Küche. Nach 7 Tagen, sehr wechselhaften Bedingungen und voller Vorfreude erreichten wir den Kicker Rock, das Wahrzeichen für jeden, der Galapagos zu Wasser ansteuert.

Das Inselarchipel begrüßte uns mit einer Delegation Seelöwen, die jedes Boot und jedes Schlauchboot  bestiegen und sprichwörtlich besetzten, welches sie habhaft werden konnten. Die ansehnlichen Tiere ließen sich nicht mit guten Worten vertreiben noch runter stoßen. Sie stanken einfach vor sich hin und fühlten sich an Bord in der Sonne gut. Das Beste, sie kamen erst gar nicht an Bord. Es folgte eine 8 köpfige Verwaltungs- und Einreisecrew, die uns und die Crew auf den Kopf gestellt haben. Die Einreisebedingungen sind strikt und unerbittlich. Alleine 20 Schiffe mussten die Bucht wieder verlassen um winzige Mikroben in einer aufwendigen Tauchaktion ca. 100 km vor der Küste reinigen zu lassen. Ein teures und nicht erfreuliches Verfahren. Wir hatten Glück und durften bleiben. Jedoch möchte sich Galapagos möchte nicht die unbeherrschbaren Algenkatastrophen wie im Mittelmeer zuziehen.

Wir betraten eine faszinierende Insel, die uns mit seinem Tierreichtum überraschte. Die Seelöwen lagen nicht nur auf dem Marktplatz herum sondern erschraken mich auch, als ich den Springbrunnen fotografieren wollte und vor meiner Nase ein Tier plötzlich in meine Linse sah. In der Bucht schwammen Fische jeder Größe sowie Rochen und Schildkröten. Unsere Tauchausflüge bescherten uns direkte Begegnungen mit dieser Welt voller beeindruckender Artenvielfalt und Kontakte mit Hammerhaien und anderen Arten. Besonders beeindruckt hat mich die Eleganz und der Anmut der bis zu 5m großen Rochen. Der Blaufusstölpel landete stets auf der Polaris und bescherte uns tägliches Säubern. Die Touren auf den anderen Inseln ergänzten unsere nachhaltigen Eindrücke und ergänzten unsere Beobachtungen um die Riesenechsen und die Vulkanlandschaften auf der Isla Isabela.

Persönliche familiäre Gründe erforderten meine dringende persönliche Anwesenheit in Deutschland. Ich verließ Galapagos für 7 Tage nach Europa. Von diesen musste ich 2 Tage im Krankenhaus wegen akuten Magenproblemen bleiben. Es bestand eine Zeit lang die Wahrscheinlichkeit des Abbruchs unseres Vorhabens. Die Situation stellte eine große mentale Herausforderung für mich dar. Auch wenn diese Möglichkeiten im Vorfeld besprochen und bedacht wurden, so sind sie im Falle Ihres Eintretens sehr schwer zu verarbeiten. Es gibt in diesen Fällen nur schwer richtige oder falsche Entscheidungen. Nachdem ich einigermaßen hergestellt war, entschieden wir uns für eine Fortführung und ich flog zurück zu den anderen Crewmitgliedern.

Galapagos stellte gleichzeitig den Startpunkt für unsere längste Etappe auf unserer Weltumseglung dar. Es ist die langsame Reise über die größte Wasserfläche der Welt in eine andere Kultur um die sich die Träume vieler Menschen ranken. Mich motiviert die Art des Reisens. Wir nähern uns wie viele Entdecker den Archipelen der Südsee und haben Zeit, uns während der Tage auf See auf die neuen Sichtweisen vorzubereiten und zu freuen. Die Crew besteht aus Unternehmern, Piloten, Verwaltungsangestellten aus Deutschland, Schweden und Norwegen. Die bunte Truppe hat in Gesprächen und Treffen einander kennen und schätzen gelernt. Der Praxistest kommt jetzt.

Wir planen eine Reisedauer von 22-24 Tagen ein. Vieles hängt davon ab, wie schnell wir die stabilen und stetigen Passatwinde finden werden. Die Polaris ist für Ihre Weiterreise bestens vorbereitet. Das Rigg (alles was über dem Boot zum Segel gehört Anm. d. Resd.), der Motor und alle wichtigen Teile sind gecheckt. Der Proviant ist unübersehbar in Kisten, Schränken und Netzen verstaut. Eine Sicherheitsunterweisung ist Standard vor jeder größeren Reise. Die Bordsprache wird ein Gemisch aus Deutsch und Englisch. Leider hat sich unser Norwegisch noch nicht wesentlich verbessert :-). Wir fiebern dem Abreisetag entgegen. 10 – 5 – 1 – Start. Wir sind mit die ersten an der Startlinie. Unsere Freunde überall auf der Wellt können uns live über das Satelliten gestützte System Yellowbrick verfolgen. Jeder versucht sich eine gute Ausgangsposition zu ersegeln. Viele gehen erst nach Süden. Wir halten gleich den direkten Kurs. Da alle Yachten unterschiedlich sind, lässt eine Position auf der Karte noch keine Aussage über den tatsächlichen Stand zu. Dieser muss erst nach Abzug von Motorstunden und einem Faktor je nach Yachtgröße errechnet werden.

Doch bei allem Ehrgeiz stehen Sicherheit, Material und Wohlbefinden an erster Stelle. „Eine Weltreise ist die Umrundung auf der Erde mit Reparaturstops an den schönsten Flecken dergleichen.“ Genau das ist nicht unser Ziel. Eine ausgewogene Mischung aus aktivem Ehrgeiz und Gespür für das Machbare waren gefragt. So wurde die Segelfläche in der Nacht zeitweise kleiner gefahren als am Tag, da Wolken mit Regen und starken Windböen nicht so leicht bei mondlosen Nächten zu entdecken sind. In diesen schwarzen Nächten bot uns das Meer ein ganz besonderes Schauspiel. Das helle Fluorszierende Licht der Leuchtalgen wird durch Ihre Bewegung im Wasser hervorgerufen. Ein kurzer Schrei nachts von der Toilette signalisierte mir das es wieder soweit war. Wir spülen mit Meerwasser. Das Bad ist abgedunkelt und die Gäste sehen beim Spülvorgang das WC in hellem Schein aufleuchten. Ebenso geschieht es mit dem Heckwasser. Die Algen hinterlassen bei Fahrt eine Leuchtbahn im Wasser. Sie ist so hell, das man Zeitung lesen könnte. Einzigartig ist das Leuchten, wenn sich eine Gruppe Delfine in der Nacht dem Boot nähert. Sie hinterlassen im Meer eine fantastisch – gespenstische Spur. Es kam uns auf die Reise und Ihre Geheimnisse an, nicht auf Geschwindigkeit.

Die ersten Tage benötigt man immer, um sich einen Rhythmus auf dem Boot zu schaffen. Das kann bei jedem Crewmitglied unterschiedlich dauern. Dieser Rhythmus besteht aus Wache in der Nacht und am Tag, Kochen, Säubern, Materialcheck und persönliche Zeit. Das Essen wird rotierend zubereitet. Jeden Abend um 18 Uhr nehmen alle im Cockpit eine gemeinsame Mahlzeit ein. Das ist für das Team sehr wichtig. Die gemeinsame Zeit dient dem Austausch und alle Fragen oder Wünsche können sofort angesprochen werden. Das gibt kleinen oder großen Ärgernissen keine Chance zu wachsen. Morgens findet man auf seinem Sicherheitsgang über das Boot Unmengen an fliegenden Fischen, die die Kurve nicht bekommen haben. Wir befördern sie zurück ins Meer. Die Wache rotiert täglich. Jeweils zwei Personen tragen die Verantwortung für die Schiffsführung in Ihrer Schicht. Dem Schlafen wird große Bedeutung beigemessen. Für mich ist einer der Hauptgründe für schlechte Stimmung an Bord der Schlafmangel Dieser stellst sich oft dann ein, wenn Crewmitglieder es nicht gelernt haben, tagsüber zu schlafen, auch wenn sie nicht müde sind. Der Körper wird über die gesamte Zeit permanent gefordert. Er muss die Schiffsbewegungen 24h lang ausgleichen (das macht er auch im Schlaf Anm. d. Verfassers), er muss sich unregelmäßigem Essen anpassen und mit weniger und wechselnden Schlafrhythmen klar kommen. Oft übersteigt das bei vielen zu Beginn die Möglichkeiten des Körpers. Umso wichtiger ist es, einen eigenen Rhythmus zu finden. Nach einigen Tagen kommen alle mit der neuen Bestimmung zurecht und beginnen, die Reise zu genießen.

Ich tue mich sehr schwer, abzuschalten. Zu viele Dinge bekomme ich nicht aus meinem Kopf. Es sind schwerwiegende, grundlegende Gedanken, deren Lösung nicht offensichtlich ist. Eine solche Reise lösen sich Herausforderungen nicht von allein. ABER – die See hält Ihre Zauberwaffe bereit. Mit Ihren wechselnden Gesichtern fordert sie mich und alle unseres Teams und lässt bald nur noch wenig Zeit zum grübeln. Die Gedanken gehen hinaus auf das tiefe Blau und versinken am klaren Horizont. Der Pazifik hat mich in seinen Bann gezogen.

Es ist berauschend die Polaris durch die Wellen schneiden zu sehen. Das Steuerrad in der Hand, den Wind im Nacken und die unter gehende Sonne vor Augen ist ein berauschender Augenblick, der jeden in seinen Bann zieht, der es erleben darf. In der Nacht steigt der Mond genau über dem Heck auf und zieht seine helle Bahn genau über den Mast des Schiffes. Die nächtlichen Temperaturen sind über 18 Grad, das Wasser glitzert und das Boot rauscht durch dieNacht. Gischt spritzt über die scharzen Wogen. Was für eine Fahrt. Wir haben über die Hälfte der Strecke der 2950 nm geschafft. Jeder Tag bringt uns glücklich dem Ziel näher und sind uns einig:“Eigentlich könnte es so weiter gehen!“ Das Happy End … es geht weiter.

 

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