Good by Pacific Ocean

Etwas wehmütig trinke ich in Port Vila / Vanuatu den letzten Espresso vor dem Start nach Australien. Auf der kleinen Terrasse, vor dem charmanten Yachtclub, sitze ich mit meiner Frau Peggy und beobachte das Treiben auf den 30 Booten. Wir sind sehr gut vorbereitet und klar für die letzte Etappe über den pazifischen Ozean. Die Bilder der Bridge of the American´s, dem Tor zum Pazifik am Ende des Panama Kanals, gehen mir durch den Kopf. Es war ein Traum von mir, den größten aller Ozeane mit dem Segelboot zu durchqueren. Ich genoss in vollen Zügen die Freiheit und Weite, die diese Art des Reisens bietet. Sie ist nicht ohne Mühe, Entbehrungen und Gefahren gewesen. Viele Herausforderungen unterschiedlichster Art sowie einiges an Kopfarbeit waren zu bewältigen. In weniger als 10 Tagen soll dieser Abschnitt hinter mir liegen. Viele Langzeitsegler, die wir trafen, befanden es als die schönste Zeit auf See und den faszinierendsten Abschnitt einer Weltumsegelung.

Leichter Wind trieb unsere Flotte zum Start nach Australien. Peggy und Aaron winkten uns vom Startschiff aus zu. Wir entschieden nach der anhaltenden Übelkeit von Aaron auf See, beide nach Mackay fliegen zu lassen. So bestand unsere aktive Crew aus Silke, Ricco und mir sowie unseren Kindern Jenny, Anni und Pascal. Bereits wenige Minuten, nachdem wir Vanuatu im Kielwasser ließen, wurde klar, dass es die besten Bedingungen zum Spinnaker (große leichte und oft bunte Vorwindsegel am Spinnakerbaum) segeln gab, die wir bisher auf der gesamten Reise hatten. Sollte ich es wirklich riskieren? Die meisten Boote setzten ihre etwas leichter zu bedienenden Blister (ebenfalls leichte Vorwindsegel, die direkt am Bug befestigt werden). Wir wurden mit unserer Polaris nach hinten durchgereicht. Ricco und ich sahen uns an und es ging los. Der große Sack wurde aufs Deck gehievt. Alle Vorbereitung waren abgeschlossen, jeder hatte seine Rolle übernommen und seinen Posten besetzt. Gegen Mittag ging das riesige Segel vor einem stahlblauen Himmel auf. Durch das Boot ging ein Ruck und es beschleunigte schnell auf 8-10kn Fahrt. Es war ein großartiges Gefühl. Ich steuerte mit Ricco die gesamte Zeit das Boot mit der Hand. Wir holten Boot um Boot auf und segelten in den Sonnenuntergang.

Neben dem Boot sprang plötzlich etwas Großes aus dem Wasser. Es platschte wieder zurück und hatte sichtlich Freude daran, dies oft zu wiederholen. Eine große Gruppe Delfine oder kleinere Walart begleitete uns eine ganze Weile. Die Jugend beobachtete das Treiben vom Bug aus. Zum Abend lies der Wind nach. Der Spinnaker wanderte in das Boot, der Beamer und die von Ricco selbst konstruierte Leinwand wurden am Heck installiert. Der Pazifik sah wahrscheinlich in dieser Nacht sein erstes „Open Air & Under Star“ Schiffskino.

Es folgte ein Tag mit Flaute und viel Sonne. Die Angeln gingen ins Wasser und Ricco zog mehrere Thunfische heraus. Auch Pascal hatte seinen ersten Atuna am Haken. Die Kulinarik war gerettet. Wir freuten uns auf frisches Sashimi mit Ingwer und Wasabi. Die folgenden Tage gab es täglich frischen rohen oder gebratenen Thunfisch. Zuvor erwartete uns eine Herausforderung über dem 4000m tiefen Meer. Eine Störung in der Elektronik schaltete den Autopiloten ohne Vorwarnung aus. Das Boot drehte sich fast unmerklich einmal um sich selbst. Die Angelsehnen gerieten in den Propeller. Das war es. Ricco und ich mussten ins Wasser und ich tauchte unter das Boot, um die Schraube freizuschneiden. Nach erfolgreichem Außeneinsatz genossen wir den Rest des Tages um so mehr.

Die Kinder gewöhnten sich an die Bordroutine mit Salzwasserduschen, Küchenarbeit am Heck und eine zu bewältigende lange Weile. Jeder suchte sich seinen Weg. Für Abwechslung sorgte der Geburtstag meiner Tochter Anni. Wir feierten ihren 14. Geburtstag mit einem bei 30Grad Schräglage von Ricco und Familie selbst gefertigten kalten Hund (Kuchenart). Die Geburtstagsgrüße kamen via Satellit an Bord. Anni freut sich nun auf einen gemeinsamen Restaurantbesuch in Australien und bereits organisierte Nachfeiern in Deutschland.

Die Nächte teilten sich Ricco und ich in zwei Wachen auf. Ich übernahm von 09-02 Uhr die Aufsicht unterm Sternenhimmel. Ricco begrüßte jeden neuen Tag mit dem Sonnenaufgang während seiner Zeit von 02-07 Uhr. Die Nächte werden merklich kühler. Es wird Winter auf der Südhalbkugel. Wir mussten die warmen Sachen aus den Tiefen des Bootes kramen. Eine völlig neue Erfahrung für mich nach 6 Monaten Barfußroute. Good by Pacific Ocean!

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