Interview mit Ricco aus Dresden (47), Gastronomie-Unternehmer, Inhaber von drei Restaurants in und um Dresden, Michaels bester Freund und Reisepartner, alle 3 Monate für mehrere Wochen an Bord

Ricco, normalerweise starte ich ein Interview mit der Frage nach der Motivation zu dieser Reise, aber für Dich habe ich mir einen anderen Anfang überlegt. Wie konntest Du Dich zum Fischflüsterer [Anmerkung der Redaktion: siehe Blogbeitrag von Sheila] der Polaris mausern?
Ich habe vor nicht allzu langer Zeit wie ein Greenhorn mit dem Fischen angefangen. Ich las ein Buch „Big Game“ bis zu dem Kapitel, an dem lebende Fische irgendwo aufgefädelt werden sollten. Diese Methode fand ich unangemessen und verabredete mich mit einem meiner Mitarbeiter zu einem Praxistest.

Wie sah dieser Praxistest aus?
Wir fuhren in das Lausitzer Land zu einem sogenannten Fischpuff. Das ist ein Teich, in dem Fische gegen Gebühr geangelt werden können. Eine Erfolgsgarantie wird im Grunde mitgeliefert und unser Lerneffekt konzentrierte sich auf das Grillen unseres Fangs.

Deine Angelkünste hier an Bord sehen wesentlich professioneller aus, als Deine Beschreibung vermuten lässt. Also raus mit der Sprache!
Tatsächlich eignete ich mir das Meiste durch leaning by doing und gelegentliche Ratschläge aus dem Internet an. Meine gute Ausrüstung verdanke ich der hervorragenden Beratung von Angel-Jo in Dresden. Dort wurde mein gesamtes World Arc-Equipment zusammengestellt. Die Leinen mussten wir allerdings später noch einmal austauschen.

Warum das?
Die Fische, die wir hier fangen sind zu groß und haben eine Zugkraft von durchschnittlich 40 Kilogramm. Bei hoher Geschwindigkeit geraten wir schnell an die Tragkraft der Angeln von 60 und 80 Kilogramm.

Welche Geschwindigkeit ist denn die beste zum Fischen auf dem offenen Meer?
Vier bis acht Knoten sind passend, zum Einholen von großen Fängen sind maximal fünf Knoten ratsam, sonst wird das Heranziehen zu schwer.

Was war Dein spektakulärster Fang bisher?
Im Pazifik zwischen Vanuatu und Mackay holten wir zwei Blue Marlins aus dem Wasser. Der erste wurde zu Steaks verarbeitet und zum Teil eingefroren für künftige Crews. Den zweiten gaben wir wieder frei, weil die Kapazität unseres Gefrierschranks und die unserer Mägen ausgeschöpft war.

War der Blue Marlin Dein größter Fisch?
Nein, es gab noch einen größeren im gleichen Revier: einen drei Meter langen Sailfish mit einem Marktwert von 1.500 Euro. Viel zu groß für unser Boot und unsere Bedürfnisse. So ein Fisch muss ja auch zerlegt und gelagert werden. Auch er durfte also wieder schwimmen.

Welcher Köder brachte das meiste Glück?
Wir nennen ihn Barbie. Es ist ein glitzernder Silikon-Oktopus in Pink. Darauf fahren die Mahi Mahis offensichtlich genauso ab wie die Thunfische.

Welche Fischgerichte sind an Bord am beliebtesten?
Absoluter Favorit der Crew: Thunfisch als Sashimi. Und ein Rezept vom Hafenmeister in Fidji wurde bisher stets gelobt: Der Fisch wird kurz scharf angebraten, mit Kokosmilch abgelöscht und nach Beigabe von Ingwer und Zitrone köcheln gelassen. Serviert wird der Fisch mit Reis. Als meine Kinder mitsegelten, mochten sie den Mahi Mahi sehr gern und konnten sechs Wochen lang nicht genug von den selbst gefangenen Trophäen bekommen. Nur rohen Fisch fanden sie nicht so attraktiv.

Hast Du noch einen Geheimtipp?
Thunfisch schmeckt besonders gut in Teriyaki-Marinade, in kleinen Stücken kross gebraten. Von den Chinesen haben wir gelernt, dass Fischfleisch nicht so schnell trocken wird, wenn es in Öl und Speisestärke mariniert wird.

Gestern haben wir zwei große Mahi Mahis und einen Wahoo gefangen. Wirst Du dem Fisch nicht manchmal überdrüssig?
Nein und ich sage Dir auch warum nicht. Zuhause essen wir vielleich einmal in der Woche Fisch. Hier genieße ich ihn also mit dem Bewusstsein, dass er erstens frischer nicht sein kann und zweitens diese Zeit des Überflusses irgendwann wieder vorbei ist. Und wenn ich mir unseren Bordkühlschrank so anschaue, glaube ich, dass es noch viel Fisch geben wird. [lacht]

Und jetzt noch einmal zu den Fragen, die ich übersprungen habe: Was bringt Dich hier auf die Polaris?
Zusammen mit Michael, meinem besten Freund, habe ich entschieden, dass es an der Zeit ist, uns diesen Traum der Weltumsegelung zu erfüllen. Man muss Chancen nutzen: die beruflichen und die privaten.

Wie vereinbarst Du Deine nun regelmäßigen Auszeiten an Bord mit Arbeit und Familie zu Hause?
Meine Frau und meine Mitarbeiter unterstützen dieses wilde Leben. Alle zwei bis drei Monate bin ich für mehrere Wochen auf der Polaris. Meine Frau und meine Kinder waren selbst schon mit an Bord und können meine Begeisterung verstehen. Meine Mitarbeiter sind verantwortungsbewusst und clever und wissen, wie sie die Geschäfte ganz nach unserer Unternehmensphilosophie führen müssen. Im Notfall bin ich per Sailmail und Satellitentelefon ja auch zwischen den Landgängen erreichbar. Es ist wichtig, auch einmal entbehrlich zu sein. Und wenn man leistungsfähig bleiben will, braucht man seine Auszeiten. Das wird jeder gute Unternehmer oder hart arbeitende Mensch nachempfinden können. Natürlich muss diese Auszeit nicht zwangsläufig auf dem Meer stattfinden.

Was gibt dir das Segeln?
Segeln bedeutet für mich Freiheit spüren und Verantwortung nur für mich und für diese kleine Crew zu übernehmen. Als selbst ernannter Smutje fühle ich mich vor allem für die gute Verpflegung dieser heterogenen Gruppe verantwortlich. Der Koch ist nach dem Kapitän der zweitwichtigste Mann an Bord, habe ich mal gehört.

Das hört sich ein bisschen so an, als könntest Du Deinen Beruf doch nicht ganz aufgeben?
Da hast Du recht. Kühlschrank und Ordnung in der Küche entsprechen mittlerweile gastronomischen Ansprüchen. Zwischenfälle mit ungenießbaren Lebensmittel kommen mir nicht ins Haus, ich meine aufs Boot. [schmunzelt]

Worauf freust Du Dich, wenn Du nach Hause kommst?
Erst einmal steht das Weihnachtsgeschäft an. Die Restaurants sind jetzt schon gut gebucht. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Törn durch die Karibik im kommenden Jahr.

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