Das Kap der Guten Hoffnung

Die kleinste Crew

In East London verlieren wir einen Teil unserer Crew. Die Flautentage haben die Reiseplanung von Achim und Richard durcheinander gebracht. Der Flieger zurück nach Deutschland wartet in Kapstadt und per Segelboot ist der Termin nicht mehr zu schaffen. Deutsche Pünktlichkeit widerspricht trifft auf die Launen der Natur. Die beiden schnappen sich einen Mietwagen und foltern uns noch tagelang mit Fotos von schönen Stränden, Milchshakes, Kuchen und anderen „ländlichen“ Genüssen.

Mit Micha und Peter wird ein neuer Schichtplan erstellt, so dass wir jeweils ein paar Stunden allein und ein paar Stunden zu zweit Wache halten können. Ganz langsam frischt der Wind auf und wir beeilen uns, aus dem Hafen, der uns den Aufsitzer beschert hatte, hinaus zu kommen. Endlich segeln wir. Kaum Welle, leichter Wind, der Motor bleibt an. Micha hat es eilig. Sieben Knoten Mindestgeschwindigkeit gilt es zu halten. Kapstadt soll bei Tag angefahren werden und jede Menge Arbeiten am Schiff wollen erledigt werden. Peters Kitestrand wartet auf eine Sprungperformance. Und später erfahren wir, dass er surfend sogar von Robben begleitet wurde.

Robben, die kleinen Appetithappen der Weißen Haie, begegnen uns nun regelmäßig. Sie treiben auf dem Rücken durch das Wasser, halten die Flossen in die Luft und lassen sich von uns nicht beeindrucken. Wasser und Lufttemperatur werden kälter, in den Nächten trage ich dann insgesamt vier Jacken, Wollmütze und zwei Kapuzen. Der Südpol fühlt sich hier in Afrika irgendwie sehr nah an. Tagsüber prallt sie Sonne auf das Deck, aber für den Bikini ist der Wind zu kühl.

Es ist fast zu einfach. Wir kochen den Mahi Mahi aus dem Indischen Ozean, der noch im Tiefkühlschrank verweilte. Wir lesen Bücher und liegen herum. So gemütlich war es selten. Weil das Segeln bei wenig Wind und unter Motor so gar keine Herausforderung darstelt, meint Peter plötzlich: „Wir brauchen jetzt dringend einen Wal.“ Nach dem halten wir Ausschau, aber es dauert noch etwas, bis wir mysteriösen Besuch erhalten.

Das große Leuchten

Die Nächte sind die faszinierendsten, die ich während meiner bisherigen Reise erleben darf. Trotz der Kälte, fühle ich mich wie in einem Märchenland. Die Küste ist zwar nah, aber es ist unglaublich dunkel. Keine Sterne, keine Sternschnuppen, kein Mond, der das Boot in Gold taucht. Das, was leuchtet, ist das Meer. Im 15 Grad kalten, planktonreichen Wasser fühlen sich Wale wohl. Wir können sie nicht sehen, aber sie sind da. Stundenlang passieren immer wieder riesige Flecken lumineszierenden Planktons unser Segelboot. Zuerst tippen wir auf Fischschwärme, die das Plankton aufwirbeln und das Wasser zum Glitzern bringen. Aber je länger wir das große, mysteriöse, immer gleichförmige Leuchten beobachten, desto sicherer sind wir uns: Die Wale kommen uns besuchen, schauen sich die Polaris an und verschwinden wieder. Nachdem sich Peter in seine Koje verkrümelt hat, bleibe ich allein an Deck und vergesse vor lauter Gänsehaut Michael zu seiner Schicht zu wecken. Er hat sich seinen Schlaf ohnehin verdient und ich denke wieder einmal an Thor Heyerdahl, dessen abenteuerliche Reisen Michael schon seit seiner Kindheit begeistern. Auch Heyerdahl berichtet von dem Meeresleuchten. Zu seiner Zeit wirkten seine Erzählungen für viele Leser sicher wie Seemansgarn eines Fantasten. In einer anderen Nacht leuchtet das gesamte Meer. Die Wellen sind chaotisch und die vielen Wellenkämme erhellen den Ozean bis zum Horizont. Michael verfasst dazu später online casino einen Blogbeitrag, der bereits zu lesen ist.

Das schöne Kap

Am Kap Alguhas beginnt der Atlantik. Wir haben es geschafft: Wir haben den Indischen Ozean überquert! Heute darf ich eine Urkunde der World Arc in den Händen halten. Mal sehen, wo die einmal ihren Platz findet. Im Moment habe ich nur dieses schwimmende Zuhause und es fühlt sich großartig an. Wir segeln an der Garden Route entlang, die ich später noch einmal von Land aus anschauen werde. Die schönen Buchten, die schönste Berge, die schönsten Zipfel Südafrikas aufgefädelt auf 700 Kilometern Küste.

Und dann wird es spannend! Das Kap der Guten Hoffnung naht. Die Kameras sind gezückt. Oh je! Nasse Haare! So wollte ich eigentlich nicht fotografiert werden. Wir jubeln und können unser Glück kaum fassen. Wir haben Internetverbindung und unsere Facebookfreunde erfahren sofort, dass wir gerade eines der großen Kaps, eine der großen seemännischen Herausforderungen, den südlichsten Punkt unseres bisherigen Reiselebens umrunden. Die beeindruckende Natur zeigt sich glücklicherweise wolkenlos und wir staunen über die Felsformationen. Cape Point und Cape of Good Hope heißen die Touristmagneten und wir werden sie noch einmal besuchen, allerdings von der anderen Seite. An Land können wir ein paar Tage später nicht mehr glauben, dass unser kleine 15-Meter-Nussschale uns tatsächlich hier entlang getragen hat.

Der Tafelberg oder – Ankunft in Kapstadt

Ein Highlight jagt das nächste. Niemand kann ihn übersehen. Wie ein Thron steht er da, umsäumt von Lions Head, Signal Hill und Devil“s Peak: Der Tafelberg. Das Wahrzeichen Kapstadts. Die Sehenswürdigkeit Südafrikas schlechthin. Zu seinem Fuß die quirlige Metropole und unsere Marina. Zwei Brücken müssen wir passieren, um hinein zu fahren. Die V&A Waterfront Marina ist umgeben von luxuriösen Appartmentgebäuden, Hotels, Restaurants, einem Aquarium, einer Shoppingmall, jeder Menge Boutiquen und Millionen Menschen tummeln sich dort. Sie alle fotografieren fleißig als für unsere Segelyacht die beiden Brücken geöffnet werden. Majestätisch gleiten wir in den Hafen und ich fotografiere vom Bug aus die Fotografierenden. Für alle Beteiligten sind die schwenkbare Brücke und die aufklappbare Brücke ein nettes Schauspiel. Hinter uns schließt sich das Tor wieder und wir sind sicher in unserer Festung angekommen. Die Stege werden in Kürze von 21 Booten der Flotte dicht besiedelt sein. Ob sich die grunzenden Seelöwen, denen die Marina zu gehören scheint, wohl darüber freuen? Ihre lustigen Geräusche werden unser täglicher Weckruf, an ihren strengen Geruch gewöhnen wir uns nie und irgendwie hoffen wir, dass sie unserem Boot möglichst fern bleiben. Vom Deck aus schauen wir hoch auf den Tafelberg. Solch einen berauschenden Blick von einem Anlegeplatz in einem Stadthafen gibt es wohl weltweit nicht noch einmal.

Schnell schnell den Seemannsdreck wegduschen, umziehen und ab ins „Mama Afrika“ in der berühmt berüchtigten Kneipenstraße Long Street, einem Restaurant mit Live Musik, in dem Michael schon vor 14 Jahren geschmaust hat. Strauß, Kudu, Krokodil und Springbock warten auf uns und für mich ein großer Cocktail. Angekommen! Weihnachten und Neujahr stehen bevor und der Gedanke daran, die Feiertage in Südafrika zu verbringen, kribbelt unter der Haut.

Tags: , , , ,

Noch keine Kommentare.

Jetzt einen Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .

+