Da hat er mal wieder gespart

Blogbeitrag von Sheila Rietschter

 

Stellt Euch vor, ihr leitet eine Abteilung und euer neuer Mitarbeiter erzählt euch an seinem Antrittstag, wie viel größer sein letztes Büro, wie viel bequemer sein letzter Bürosessel und wie viel schöner die Sekretärin des letzten Chefs doch gewesen seien.

Unvorstellbar?

Probieren wir es mit diesem Vergleich: Ihr lernt eine neue Frau kennen, alles läuft gut und aus einem Date wird ein zweites. Ihr glaubt, euch ernsthaft verliebt zu haben und beschließt, zusammen zu ziehen. Kaum stellt sie den Fuß in die Tür mit dem romantisch-kitschigen Türschild, das zum ersten Mal euer beider Namen trägt, erzählt euch eure Flamme, dass ihr letzter Lover das dickere Konto hatte, eigentlich viel besser aussah und auch sonst so einiges mehr drauf hatte als ihr. Ihr wisst schon, was ich meine. Schach spielen, Snowboarden, Golfen, Surfen und so weiter.

Was würdet ihr tun? Das Türschild abreißen?

 

Jetzt wisst Ihr, wie sich ein Schiffseigner fühlt, wenn eine neue Crew anreist.

Innerhalb von Sekunden erkennt das Expertenteam: Hier wurde gespart!

Die Yacht des Nachbarn hat 20 Fuß mehr und 4 Kojen weniger, eine Waschmaschine, eine automatische Toilette, einen Eiswürfelmacher, einen Grill, einen Weinkeller, eine Kinoleinwand, Geschirr aus Porzellan – Halt! Letzteres haben wir seit KAHLA“s Magic Grip-Lieferung auch. Kleine Schleichwerbung! 😉 – und doppelt so große Frischwassertanks wie die Polaris.

Was auf unserer Hanse wirklich perfekt nach gastronomischen Standards ausgestattet ist, ist die Küche. Sie war sogar so gut ausgestattet, dass wir ein Drittel unseres Hausrats an Bedürftige in Südafrika abgeben konnten und trotzdem noch keine Not leiden. Aber das merkt der neue Passagier nicht, weil er sich seltenst in die Kombüse verirrt. Viel zu viel hat der neue Gast mit der Analyse der Unbequemlichkeiten an Bord des Bootes zu tun.

Auch die Bordapotheke ist nach Kreuzfahrtstandards bestückt. Wir könnten hier Operationen durchführen, per telefonischer Anleitung durch echte Ärzte, funkärztliche Hilfe nennt man das. Je länger ich darüber nachdenke, desto größer werden die Möglichkeiten. Narkosemittel könnten die Lösung für echt entspannte Törns sein. Und mit unserem Operationsbesteck wäre sicher so manch positive Verwandlung machbar. Bei einigen reichte es ja schon, die Zunge ein paar Zentimeter zu kürzen.

Jedes Mal, wenn Michael gefragt wird, warum seine sportliche Hochseeyacht nicht die Ausstattung einer Luxusvilla mit Pool spazieren fährt, antworte ich für ihn:

„Da hat Michael wieder gespart.“

Ein Running Gag, der kein Ende kennt. Mittlerweile haben wir eine Liste an skurrilen Dingen zusammen gestellt, die unser schwimmendes Zuhause zu einem echten Knaller werden ließen und wir sprechen nicht von einer noch längeren Kurzwellenantenne.

 

1. Der Grill:

Außen am Seezaun angebracht, eine wahre Wonne auf See und im Hafen und sollte er einmal außer Kontrolle geraten, versenkt man ihn einfach kurz im Wasser. Toll, nicht? Hier sind sich alle Crews der Polaris einig. Nur die Tenpanyaki-Platte könnte dem Grill noch Konkurrenz machen. Praktisch, weil dann die Hitze und Gerüche einfach draußen bleiben und sich nicht bis in alle Kabinen verteilen.

romantische Fahrt in den Sonnenuntergang

Hier könnte man doch gut einen Grill anbringen…

 

2. Der Dönerspieß:

Im Cockpit eingebaut, könnte er in kalten Segelnächten sogar als Heizsäule dienen. Außerdem wäre mit einem guten Döner Kebab sicher der ein oder andere Real und die ein oder andere Rupie in den Marinas der Welt zu verdienen. Die Einnahmen könnte man dazu nutzen, noch mehr Luxus zu kaufen.

3. Das Gemüsebeet:

Auf See hat man Zeit. Warum nicht ein paar Tomaten großziehen, während man so gemütlich auf dem Atlantik dahin schippert. In handelüblichen Balkonkästen und Blumentöpfen, die idealerweise am Seezaun aufgehängt werden, ließ sich so einiges an Grünzeug züchten. Bisher züchten wir nur Seegras am Rumpf, das sich sicherlich zu leckerem Salat anrichten ließe, wenn wir denn rankämen.

4. Das Bordschwein, auch Meerschein genannt:

Es könnte die Essensreste vernichten, den Fisch vorkosten, den Boden von Krümeln, Kaffeeresten und anderem organischen Material befreien. Es würde als eiserne Lebensmittelreserve dienen, wenn man sich den nächtens im Kontinent verirrt hätte und länger als geplant an Bord bleiben müsste. So ein niedlicher Grunzer könnte auch gleich als Kuscheltier, Spielkamerad, Köder für Großfische, Hafensensation oder Seegangindikator dienen. Kippt das Schwein nach steuerbord, kommt die Welle von backbord, oder so.

5. Der Bierzapfhahn:

Eine Bierdusche im Cockpit ist nicht nur gesund für die Haut sondern auch der Stimmung zuträglich. Und wenn genug getrunken würde, wäre der Mangel an Frischwasser auch nicht mehr so relevant. Die einzige Frage ist: Wie kühlen wir das Bier dauerhaft? Unter Euch gibt es bestimmt ein paar schlaue Ingenieure, die sich da etwas einfallen lassen könnten.

Gäbe es einen Bierzapfhahn bräuchte man kein Dosenbier mehr

Gäbe es einen Bierzapfhahn bräuchte man kein Dosenbier mehr

 

6. Die Sauna:

Hilft beim Gewichtsverlust, lockert die Muskeln und könnte ebenfalls als Geschäftsmodell in kalten, norddeutschen Häfen dienen. Und jetzt mal ehrlich! Wolltet Ihr nicht schon immer mal zu einer Frau in einer Bar sagen: „Möchtest Du mich in meine Sauna auf meinem Segelboot begleiten?“.

7. Der Swimmingpool:

Er könnte auch ein Jacuzzi mit Blubberfunktion sein, darüber streiten sich die Geister. Frisches Wasser, ein bisschen planschen in der Hitze, ein paar Cocktails in die Hand, vielleicht sogar ein paar Schwimmzüge. Warum zum Teufel ist die Polaris kein Kreuzfahrtschiff?

8. Das Wasserbett:

So ein Wasserbett als Reflektion auf das, was außerhalb der Koje passiert, als weiche Alternative zu den ungefederten Polaris-Pritschen, als sanfter Ausgleich zum Schaukeln des Bootes, am besten mit Seeventil zum Ein- oder Ablassen des Wassers für die Justierung des Härtegrads und Warm- und Kaltwasserschalter. Das Leben könnte nicht schöner sein.

9. Glasboden:

So ein Glasbodenboot hat schon einige Vorteile. Man kann gemütlich den Seepocken am Rumpf beim Vermehren zuschauen und könnte den Rumpfcheck ganz ohne Tauchgang erledigen.

15 Angelsehne in der Schraube bei 4000m Tiefe

Mühseliger Rumpfcheck? Beim Glasbodenboot kein Problem mehr!

 

10. Das kardanisch aufgehängte Innenboot:

Warum gleicht eigentlich nur der Herd die Bewegungen des Ozeans aus? Viel einfacher wäre es doch, wenn das Schiff innen immer waagerecht wäre, während es außen fast auf der Seite liegt. Niemand müsste mehr ein schlechtes Gewissen gegenüber den ruhenden Creweinheiten haben, wenn bei Amwindkurs und ungerefften Segeln die ein oder andere Böe das Schiff nach Lee drückte.

11. Die Puffbeleuchtung:

LED-Lichter, die das Boot in eine schönes Rot tauchen. Da fühlt man sich doch schon richtig heimelig. Und praktisch ist die Installation obendrein: Nachts blendet den Steuermann nichts mehr, wenn die Crew ihre Fressattacken – im Dunkeln setzen Diätpläne grundsätzlich aus – und ihren Kaffeedurst befriedigt. Oh, jetzt habe ich einen Fehler gemacht. Die Puffbeleuchtung haben wir in Kapstadt bereits eingebaut. Sogar mit Disco-Blink-und-Blitz-Modus, mit verschieden ansteuerbaren Farben auf Back- und Steuerbord. Was es nicht alles gibt! Jetzt muss man sich noch nicht einmal unter Deck mehr Sorgen machen, dass man Steuerbord und Backbord verwechselt könnte, wenn man rückwärts durch das Boot schleicht.

 

Und jetzt seid Ihr gefragt!

Was braucht die Polaris noch, um endlich ein Luxusdampfer werden?

 

Der kreativste Vorschlag bis zu unserer Ankunft in Grenada in etwa zwei Wochen gewinnt ein Magic-Grip Geschirrset von KAHLA!

Also schreibt uns, was auf der Polaris noch fehlt!

 

Tags: ,

6 Responses to “Da hat er mal wieder gespart”