Dickes Ding

Äquatortaufe: Neptuns Vertreter Michael tauft Äquator-Erstlinge Hilde, Christian und Sheila mit "Leckerem" aus Bordküche.

Äquatortaufe: Neptuns Vertreter Michael tauft Äquator-Erstlinge Hilde, Christian und Sheila mit „Leckerem“ aus Bordküche.

Schöne Frauen sind in der Mitte ihres Körpers ja eher schlank. Zumindest nach westlichen Maßstäben. Unsere Mutter Erde allerdings ist dort besonders dick, so ungefähr wie ein biertrinkender Mann. 40.000 Kilometer misst ihr Umfang, das sind fast 22.000 Seemeilen. Und wer in der Schule aufgepasst hat, weiß, dass diese zentrale Linie Äquator genannt wird.

Gestern, am 2. März 2015, haben wir den Äquator überschritten. Und wer diesen nullten Breitengrad zum ersten Mal auf einem Segelboot überquert, wird von Neptun getauft. Für die Äquator-Taufe sucht sich der Meeresgott einen Stellverstreter aus, der den Härtetest übernimmt. In unserem Fall ist das ein Schiffseigner in einem grünen Röckchen mit Dreizack-Bastelwerk aus Bootshaken und Schnorcheln. Die Täuflinge Christian, Hilde und ich treten ebenso kreativ verpackt vor Poseidons Exekutive.

Mit allen Kombüsenüberbleibseln dank mangelhafter Crewbewertung – auf Deutsch: Alles, was keiner essen wollte und seit Monaten mit der Polaris spazieren fährt – werden die Äquator-Erstlinge ordentlich eingeseift. Christian im brasilianischen Karnevalsleibchen erhält eine Haarwäsche aus Tomatensoße und trägt nun den Namen „Ruhiger Yellowfin“. Dass ein Yellowfin Tuna keineswegs ruhig ist, verzeihen wir an dieser Stelle einmal großzügig. Ich, im 80er-Jahre Gurtband-Aerobic-Look, bekomme eine Ladung Hack auf den Bauch – in den Bauch wäre mir lieber gewesen – und darf mich nun „Quirlige Seenixe“ nennen. Hilde, der „Fröhliche Delphin“, erhält ihre Abreibung aus Dosen-Ravioli und Coca-Cola über die Flossen, äh, Beine. Michael, alias Göttlicher Chef von Dienst, überreicht uns wahre Kunstwerke von Taufurkunden mit angebrannten Ecken, so wie Ihr das aus dem Kinderferienlager kennt, und Christian freut sich über die neu erworbene Trophäe mit den Worten: „Wieder etwas für die Wand im Yachtclub!“. Eine Action Cam und Captain Jan fotografieren und filmen die Schweinerei.

Im Anschluss gibt es für die Polaris-Crew Mangorinha, also Caipirinha mit Mangosaft, und dann müssen die Ravioli aus allen Ecken des Cockpits gekratzt werden, denn schon bald wird es dunkel und die Fahrt Richtung Norden kommt mit 7 bis 8 Knoten über Grund wieder so richtig in Gang. Im Logbook steht an der Stelle der Breitengrade nun nicht mehr S für South oder Süd sondern N für North bzw. Nord.

Nachdem wir vor kurzem erst den Nullmeridian überschritten hatten und in die westliche Welt eingetaucht sind, befinden wir uns nun wieder auf der nördlichen Hemisphäre, was nichts daran ändert, dass sich unser Abstand zur Heimat immer noch vergrößert, die Lufttemperatur über 30 Grad beträgt und die Sonne genau 12 Stunden von 6 bis 6 scheint.

One Response to “Dickes Ding”

  1. Chris Müller 15. März 2015 at 21:32 #

    Habt Ihr eine Waage an Bord? Stellt mal die „Ruhige Gelbflosse“ drauf, der Krischan ist ja gar nicht mehr wiederzuerkennen … Glückwunsch und weiter so!

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