Highlights aus unserem Leben auf See – Die WG Polaris

Nachdem wir, wie im letzten Blog berichtet, unsere Studie über portugiesische Galeeren abgeschlossen haben, widmeten wir uns neuen, wilden Aktivitäten.

Zum Beispiel

  • das Zählen von Plastikmüll,
  • sich vor Walen erschrecken,
  • Unmengen Delphinen zusehen,
  • große Freude am gefangenen Blue Marlin haben,
  • noch mehr Freude am Verspeisen haben,
  • Segel setzen/bergen/reffen/Motor an/Motor aus, Spi hoch, Spi runter und von vorn,
  • nach Wind suchen, Wind finden
  • und gutes Essen essen.

 

Die aktuelle Situation in der Flotte:

Boote mit Motorbooteigenschaften oder welche, die nach Start in das Tiefdruckgebiet segelten, sind kurz vor Horta oder bereits da.
Mit Motorbooteigenschaften meine ich einen großen Festpropeller, sehr viel Diesel an Bord und einer benötigten Mindest-Windstärke von 15kn, um in Fahrt zu kommen. Sehr viel Diesel bedeutet ab 600L aufwärts. Solche Yachten machen gut 8kn Fahrt durch das Wasser unter Maschine.

Für die Polaris reichen 7kn Wind, um mit Genoa und im dritten Reff 3-3,5kn Fahrt durch das Wasser zu machen. Addieren können wir noch 1-1,5kn Strömung.
Macht also bis zu wahnsinnige 5kn Fahrt über Grund. Dann fällt des Öfteren noch eine Bö mit 9kn aus den Wolken und schon sind wir bei 6kn über Grund. Also ein Boot mit herrlichen Leichtwindeigenschaften. Unser mit fossilen Mitteln betriebener Flautenschieber gibt bei 2000U/min vor dem Faltprop auch nur 5,5kn her.

Dann können wir auch segeln. Langsam, aber stetig.

Unser Kapitän!

Lieber entspannt segeln als unnötig motoren, oder…?

Der  ein oder andere wird sich beim Lesen jetzt gefragt haben: „Drittes Reff, wozu? Ausreffen, Vollzeug hoch und noch schneller sein!“

Die Antwort darauf ist recht simpel. Unser Grosssegel ist durchgelattet. Will heißen, zur Aussteifung des Segels für ein besseres Profil sind  in gleichen Abständen horizontal Glasfaserstangen in schmalen Taschen eingesteckt. Fünf an der Zahl. Kurz gesagt, lange Stangen, die das Segel besser zum Wind stehen lassen.
Durch den Sturm südlich von Grönland kommt hier bei uns, rund 900sm weiter südlich, eine 2m hohe Dünung oder Schwell im 10 – 12 Sekunden Takt an. Diese lässt das Boot hin und her schaukeln. Durch den dann im Segel entstehenden Gegendruck, mal von Backbord, mal von Steuerbord, flappen die Segellatten immer hin und her.
Einigen bekannt vom See um die Ecke, wenn mal wieder ein Motorboot bei wenig Wind das glatte Wasser in einen Acker verwandelt und die Weingläser samt Brot, Käse und Trauben durch das Boot rutschen. Dieses Flappen und Schlagen belastet zum einen die Segellatten samt Segel und Mastrutscher sehr. Zum Anderen übertragen sich die Schläge auf den Mast und weiter auf die Stahlseile (Wanten) die den Mast senkrecht halten. Um das zu minimieren, wird einfach gerefft oder mit dem nötigen Kleingeld nach einem Monat alles neu gekauft.

Letzteres fällt leider aus. Wir müssen sparen.

 

Manchmal hat man eben den Wal

Es trug sich zu, dass wir bei 8 – 10kn Wind endlich den BlackPearl oben hatten und hielten. BlackPearl ist unser leichter schwarzer 190qm Spinaker. Bei wunderbarer Rauschefahrt und der 37sten weißen vorbeitreibenden Fischerboje (kann auch der 28ste Fender gewesen sein), meint Thies uns in gewohnt freudigem  Ton mitzuteilen:

„Oh, schaut mal da!“

Pause bis alle an Deck die Köpfe nach Steuerbord gedreht hatten. Wir können eindeutig hören was es ist. Nur noch nicht glauben.

Prust, oder so ähnlich macht es. So als ob man viel Luft, schnell durch leicht gepresste Lippen pustet. Weiter teilt uns Thies dann mit was wir ahnen:

„Schaut mal, ein Wal. Der ist ja nah. Das sind ja nur 10m.“
Buckelwale im stillen Ozean bei Australien

Besuch vom Wal

Marc und mir wird kurz ganz anders und mein Puls geht auf 180. Der Jaque Custo in mir und der von Walkollisionsgeschichten geprägte Teil tragen in Sekundenschnelle ein innerliches Gefecht aus.

Unentschieden! Toll, freut sich Jaque. Das wolltest Du immer sehen. Häkchen auf der Liste. Jetzt ist es soweit. Der Andere Teil schraubt den Puls noch etwas höher und geht alle Möglichkeiten zum Ausweichen durch. Zu nah für Manöver. Keine Ahnung wo der hintaucht und wo auf.

Wir halten gemäß den Kollisionsverhütungsregeln auf See Kurs, hoffen das der Wal die auch kennt und bewahren Ruhe. Hände umklammern Griffe, sodass sich Knöchel weiß färben. Inzwischen ist es 10 Sekunden später und der Wal holt ein weiteres Mal Luft. Diesmal 5m vor dem Bug. Alle an Bord sind still und schauen gespannt auf das Wasser um die Yacht.

Wo taucht er das nächste Mal auf? Neben uns wäre am besten. Unter uns zu interessant.

„Vielleicht will er ja spielen.“ witzelt Thies. „Oder sich paaren.“ schiebt Marc hinterher.

Ich kann mir ein Schmunzeln abringen und schließe die Hand noch etwas fester um den Handlauf. Die Wucht des Aufpralls bei einer Kollision mit 8kn Fahrt mit der Polaris auf einen ebenso leichten Wal ist dann doch damit zu vergleichen als ob man mit dem Fahrrad bei gleicher Geschwindigkeit in einen Baum einrast. Horizontal und stumpf auf null gebremst. 15 Tonnen treffen auf keine Ahnung wieviel der Wal wiegt. Bootslänge hatte er allemal.

Mit einem „Egal.“ verteibe ich den Gedanken. Er taucht anscheinend unter uns durch, will nicht mit uns spielen und sieht uns online casino auch nicht paarungsbereit. Jedenfalls springt das Lot kurz auf 1,5m unter Kiel. Er nimmt seinen nächsten Atemzug ca. 10m hinter der Polaris. Horscht folgt uns ein paar Minuten um dann genauso schnell wieder zu verschwinden wie er aufgetaucht ist. Als er uns folgt, schwimmt er Pirouetten im Wasser. Wir können abwechselnd seinen hellen Bauch und seine dunkle Haut im kristallklaren Wasser sehen.

Puuh! Spannend! Wir befinden anschließend, trotz des in den Körper einströmenden Adrenalins (nein genau deswegen!) dass hat ein Prädikat einmalig im Tagebuch verdient. Soh nah reicht auch einmal.

Buckelwal springt aus dem Wasser im Rahmen der ARC Worldtour

Hoffentlich bleibt das die letzte (so nahe) Begegnung

 

Das Anglerduell

Marc und Chris sind die Angler an Bord. Keine Minute zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang, ohne dass die Köder gewässert werden. Aktuell liefern sich an den Angeln „BlueWhiteStripe (BWS) vs. BlinkiPinki (BP)“ ein Rennen. BWS hängt an der Rute und BP an der Handleine.

Es steht:

  • BWS 3 Bisse und zwei Fische. Ein Bluefin Tuna mit 6kg und ein MahiMahi mit 10kg. Der Dritte, was auch immer es war, hat das 2mm Stahlvorfach durchgebissen und BWS in die Tiefe gerissen. R.I.P.!
  • BP hatte einen Biss und (wir konnten es kaum glauben) einen Blue Marlin dran. Gerade mal 3kg aber 1,30m lang mit einer tiefblauen Färbung über den Rücken und leicht gräulichen Streifen auf der hellen Haut am Bauch und den Seiten. Sehr markant ist das beeindruckende Segel auf dem Rücken. Wie wir von Ricco gelernt haben, schmeckt der filetierte Fisch nach einem Tag Aufenthalt im Kühlschrank noch eine Spur besser. 24h später, mnjam! Mit Pasta und Chrischans Linsensalat.
Ricco präsentiert seine Pose

BlueWhiteStripe in Action!

 

Das geheimnisvolle Geräusch

Am Tag darauf wurde ich von eindringlichen Geräuschen geweckt. So als ob man morgens aufwacht und der Nachbar immer noch zu elektronischen Beats feiert. Erst dachte ich mir nichts dabei. Wird Marc mit seiner Musik sein.

Jedoch eine halbe Stunde später, immer noch der gleiche Sound. Bei der Frage „Marc, hast Du Mukke laufen?“ antwortete er nur „Nein man, ich will noch nicht geh´n. Ich will noch ein bisschen tanzen.“ Was wohl nein bedeuten soll. Stille unter Deck.

Wir hören gemeinsam und versuchen das Rauschen des Wassers am Bug zu filtern. Ähnlich wie beim Topfschlagen bewegen wir uns auf der Suche nach dem Beat, ohne zu wissen wo der Soundtopf ist, über und durch die Polaris.

Marc hält an Deck das Ohr an alles was da so ist. Mast, Baum, Spibaum, Vorstag und Deck. Nichts.
Unter Deck suchen Thies und ich zu zweit. Von meiner Koje und der Pantry am Motor vorbei, durch den Salon bis zum Mast. Zurück zum Kühlschrank bis zur Naviecke. Einen Schritt zurück und das Ohr auf den Boden gepresst. Da wird es etwas lauter. Mit dem Ohr am Boden wieder etwas weiter Richtung Kühlschrank. Bodenplatte hoch und Kopf in die Bilge. Hier wird es noch lauter.

Thies vermutet, „Da hängt etwas am Kiel.“ Und er sollte recht behalten. Marc macht die GoPro scharf und befestigt sie am Bootsharken. Das Vorsegel wird eingerollt und die Polaris hoch an den Wind gedreht. Marc steckt seine Kamera neben dem Boot ins Wasser und beginnt seine Runde am Heck, dann auf der Steuerbordseite, am Bug vorbei und auf Backbord zurück.

„Ahhhch Du meine Güte!“ hört man den Schweizer rufen. Und Thies stimmt mit ein. „Hahahah, krass!“
Ich am Steuer kann den Übeltäter erst erkennen als Marc ihn mit dem Bootsharken aus dem Wasser fischt. 15 m Starkstromkabel, Durchmesser 5cm, hatten sich am Kiel breit gemacht und dann rhytmisch mit der Schiffsbewegung gegen selbigen geklopft. Mal schnell und mal langsam.

Zum Transportieren ist es leider zu groß und sperrig. Wir müssen es wieder ins Meer lassen. Zur Sicherheit gibt Marc noch eine Funkwarnung auf Kanal 16 raus und ich am Abend in der ARC SSB Funkrunde.

 

Chrischan vs. Ben

Die Beiden liefern sich derzeit ein Battle um das leckerste Essen. Aktuell steht es unentschieden, da beide gleich oft gekocht haben.

Jeden Tag zaubern sie Fleisch oder Fisch auf den Tisch. Mal mit Pasta, Kartoffelpü, Reis oder Couscous. Zum Teil auch zwei bis drei Gänge. Bestehend aus Sashimi, Hauptgang und Dessert. Ich bin immer wieder beeindruckt was man alles aus unserer Bordküche herausholen kann.

Fischflüsterer 10 - Ricco verwöhnt uns

Von Ricco haben wir gelernt, wie gutes Sashimi geht

Aktuelle Bilder unserer Abenteuer wie immer bei Ankunft als Galerie.

Bis später

Jan

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