Die berüchtigte Biskaja

Zwischen Galizien und der Bretagne, also auf unserem Weg von Coruna nach Brest, lag ein Stück Wasser. Ein Stück Wasser, das recht berüchtigt ist. Viele Geschichten und Erzählungen ranken sich darum.

Die Biskaja.

Dokumentierte Berichte beinhalten Dinge wie 10 m hohe Wellen und gefährliche Kreuzsee.
Wellen, die sich aus unterschiedlichsten Richtungen aufeinander schieben und zu furchteinflößenden Bergen aufbauen. Wobei die Wellen auch noch kurz sind. Im schlimmsten Fall mit brechenden Kämmen. Windstärken in Böen um 60kn. Was nach Beaufort einer Windstärke 11 entspricht.

All das konnten wir mit dem gut gewählten Wetterfenster erfolgreich vermeiden. Und dennoch war es recht herausfordernd.

Nicht, dass wir noch keinen schweren Seegang auf unserer Reise gehabt hätten. Ihr erinnert Euch sicher an den Blog zur Rundung des südlichen Kap von Madagaskar.

Doch so ein Durcheinander an Wellen wie in der Biskaja ist immer etwas ungewohnt. Unangenehm kam Kälte dazu. Gefühlt irgendetwas um 15° Celsius. „Brrrrrrr“ sagt da der verwöhnte Barfußroute-Segler.

In unregelmäßigen Abständen erhielten wir Schubser aus allen westlichen Richtungen. Mal 0,50 m und mal bis zu 3 m in kurzen Abständen. Mal tobte sich eine kleine Welle an unserem Rumpf aus und bewarf uns mit Seewasser und mal stürzten wir von einer quer laufenden Welle in Tal. Was das Steuern zu einer Art Slalom-Segeln werden ließ. Der Wind wehte recht konstant aus W bis NW um 18kn mit Böen um 21kn wahr. Drehte dann an der Ile de Sein auf NNW und legte in Schauern kurzzeitig bis 27kn wahr zu.

Die berüchtigte Biskaya

Die berüchtigte Biskaya

Fazit der Crew für diese Überquerung der Biskaja ist eindeutig:

Mal gemacht, Haken dran.

436 sm von Marina zu Marina gesegelte Strecke. Direkte Linie sind um 350 sm. Da der oben beschriebene Winddreher abzusehen war, hielten wir etwas vor und sind die Strecke komplett mit Halbwind auf Steuerbordbug in 2 Tagen, 1 Stunde, 12 Minuten und ein paar Sekunden abgesegelt. Die letzte Querung im September 2013 machten wir in knapp 2 Tagen und 15 Stunden.

Angekommen in Brest erreichte uns erstmals nach vielen ruhigen Marinas der „Sound of Civilisation“. Hört selbst.

Nach dem ersten morgendlichen Soundcheck legte eine Hälfte der Crew mit der Klarierung der Polaris los und ich erkundete mit meinem französischen Kommunikationsmanager das Büro des Segelmachers in der Marina Moulin Blanc. Mit Laurent lief die Verständigung perfekt und alles war in wenigen Minuten geklärt.

An der großen Fock hatte sich die Naht des Unterliek gelöst und ist auf 50cm aufgedröselt. Gildas, der Segelmacher von „Yucca Voiles“ erledigte die Reparatur in ein paar Stunden und brachte uns das Segel dann in die Marina du Chateau zurück.

Im nahe gelegenen Port du Commerce liegt derzeit der Stolz der französischen Rettungsflotte.

Die „Abeille Bourbon“ – ein 80 m Rettungsschlepper.

Konzipiert für Einsätze in eingangs beschriebener wütender Biskaja.
Mehr zum Schiff hier. Eine Besichtigung war leider nicht möglich.

 

Dafür fühlte sich am Steg neben der „Abeille Bourbon“ ein Delphin ganz wohl. In der Sonne schwimmen und sich von Anwesenden streicheln lassen. Ein Erlebnis wie im Aquarium nur in freier Natur.

Delphinstreicheln im Hafen

Delphinstreicheln im Hafen

Am Abend des 10.07.15 labten wir uns an Muscheln und Pommes in einem der zahlreichen Restaurants auf der hiesigen Promenade. Severin entschied sich für ein ordentliches Stück Fleisch.

 

Weiterhin ist das Dock des Port du Commerce mit etlichen Klassikern gepflastert.

Auf der Promenade der Marina du Chateau hat sich wie auf dem Walk of Fame in Hollywood die Creme de la creme des französischen Segelsports verewigt. Unser Versuch dem nach zu eifern wurde leider abgelehnt. Also hinterließen wir unsere Abdrücke in Alufolie. Ein Versuch war es wert.

Handabdruck des berühmten Peter Blake

Handabdruck des berühmten Peter Blake

 

Auch der Versuch auf das Poster der „Brest – port de records“ mit unserer Biskaja Querung zu kommen wurde leider abgelehnt. Steht doch noch nichts von drauf. Haha!

Kein Eintrag für die Crew der Polaris

Kein Eintrag für die Crew der Polaris…

Nach Crewwechsel am 11.07.15 wurde der 12.07.15 der Sicherheitseinweisung und dem Kennenlernen des Schiffes gewidmet.

Am 13.07.15 geht es früh auf nach Guernsey. 140 sm liegen vor uns. Angesagt sind um 15kn mit Böen um 20kn aus W bis SW. Spannend wird das Timing. Wind gegen Strömung kann an der Bretonischen Nordküste zu anstrengender See führen. Darüber hinaus haben wir ein recht knappes Zeitfenster für unsere Ankunft in St. Peter Port. Zur falschen Zeit stehen 5kn Strom gegen uns. Gezeitengewässer eben. Und die Kanalinseln sind bekannt für ihren hohen Tiedenhub und starke Strömungen.

Wir werden sehen, ob unser Fahrplan passt.

 

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